
Love & Peace . . . und Handarbeit
von Veronika Dräxler (Jahrgang 1986)
Jahr : 2010, Woche : 4
Was kommt dabei heraus, wenn zwei Mädchen aus dem Erdinger Hinterland sich langweilen und für Uschi Obermaier schwärmen? Sie gründen eine Kommune und taufen sie die „grüne Unschuld“. Diese Kommune ist aber weniger eine freizügige Wohngemeinschaft, sondern vielmehr ein ernsthaftes Arbeitskollektiv. Statt sexueller Revolution und politischer Rebellion geben sich Regina (18) und Christina (19) einer anderen Form der Wolllust hin: dem Stricken.
„Stricken macht süchtig!“, sagt Christina. In ihrer Freizeit treffen sich die beiden, um Stirnbänder zu stricken, Taschen zu nähen – oder um „Das wilde Leben“ zum fünften Mal zusammen anzuschauen, die Verfilmung von Obermaiers Leben.
Beide lieben sie nicht nur das Hippie-Modell, sondern auch das Lebensgefühl der 60er und 70er Jahre, vor allem den Mythos um Woodstock. Ihr Logo für die grüne Unschuld ist von der Hippie-Philosophie inspiriert: Love & Peace – das Peace-Zeichen ist mit dem Herzsymbol verschmolzen. Ihr Erkennungszeichen, ihr Logo. Sie nähen es auf alle fertig gestellten Modelle. „Es ist wirklich schade, dass die meisten Menschen das Besondere an echter Handarbeit gar nicht mehr zu schätzen wissen“, findet Christina. „Freunde und Bekannte fragen uns oft, ob wir ihnen auch ein Stirnband oder eine Tasche machen, sind sich aber gar nicht darüber bewusst, wie viel Zeit wir für ein Stück brauchen“, sagt sie. Wenn Geschäfte Stirnbänder für drei Euro verkaufen, sei es dann natürlich nicht leicht zu erklären, dass schon allein das Knäuel Wolle für ein selbstgemachtes Stirnband genauso viel koste, sagt Christina.

Verstrickt und zugenäht! Christina und Regina sind zusammen die „grüne Unschuld“ – eine Strick- und Nähkommune. Fotos:privat
Aber um das große Geld geht es Christina und Regina überhaupt nicht, sondern um die Gemeinschaft. Die Vertrautheit, die entstehe, wenn man zusammen Handarbeiten verrichtet, sei unbezahlbar, sagen sie. Bald wollen die beiden zusammenziehen, den Kommunen-Gedanken weiter treiben. Sie denken dabei an eine eigene Bar – als Treffpunkt für Freunde, an dem sie auch ihre Stirnbänder und Taschen präsentieren und verkaufen. Regina hat sogar vor kurzem ein Gewerbe angemeldet – beide sind nun offizielle Unternehmerinnen ihrer eigenen kleinen Zwei-Frau-Kommune.
Noch wohnen aber beide zu Hause. Wenn sie stricken und nähen, ist meistens die ganze Familie dabei. Manchmal auch Freunde. Und am liebsten hören sie währenddessen Geschichten von früher – Hippie-Abenteuer.
Ihre Mütter und Tanten helfen gerne bei Fragen zu Strickmustern oder -techniken. „Unsere erster Kundin war meine Tante“, sagt Regina stolz. Familienzusammenhalt ist für beide Mädchen eines der Dinge, die sie besonders schätzen. Einer der vielen Gründe, die das Landleben für sie attraktiv machen. In die Stadt würden sie höchstens für ein paar Jahre ziehen, „um zu studieren und um es einfach mal gemacht zu haben“, meint Christina. Vor kurzem waren beide auf Besuch in Dresden – und hinterher froh darüber, wieder daheim zu sein. „Das beste Bier gibt es nun mal in Bayern!“, sagt Christina – während sie das sagt, spielt sie mit der Kette um ihren Hals, an der ein silbernes Medaillon mit dem Wappen des Freistaats baumelt. „Wir lieben das bayrische Landleben“, fügt sie hinzu.
Beide sind sich einig, dass es sie über kurz oder lang immer zurückziehen wird, in ein Häuschen in der Nähe von Wald und See.
Mit der grünen Unschuld wollen sie jetzt aber alles andere, als sich an einem Ort zur Ruhe setzten. Reginas Schwester hat sich kürzlich einen Bus zugelegt – nun werden die Mädchen zusammen Festivals unsicher machen. Im Sommer von einem Open Air zum nächsten touren und dort ihre Stirnbänder und Taschen unter das Volk bringen.
Weitere Informationen unter grueneunschuld.blogspot.com.
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