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Handtuch-Krieg im Englischen Garten

von Melissa Ludstock

Jahr: 2013, Woche: 16

Kommt man aus der Vorstadt, dann ist man Ruhe und auch ein kleines Stückchen Einsamkeit gewohnt. Da hat es das Vorstadtmädchen im Englischen Garten alles andere als leicht.

Ein kühles Radler in der Linken, eine Freundin zur Rechten, so ist man perfekt ausgestattet für eine Pause im Grünen. Aber bis zum Grünen bin ich dieses Mal gar nicht erst gekommen. Denn das mit dem Englischen Garten ist gar nicht so einfach für mich.

Entweder man wird schon vorher von einem Radfahrer oder von einer Power-Walking-Mutter mit Kinderwagen überfahren. Jedes Mal wieder stelle ich dann fest, dass ich den Englischen Garten gar nicht so gerne mag. Wahrscheinlich fehlt mir das Großstadt-Gen: Wenn ich auf einer Wiese sitze und die Sonne genieße, möchte ich dabei auch möglichst alleine sein. So wie ich das gewohnt bin: aus der Vorstadt. Da kann man noch in Ruhe draußen sein, ohne, dass man sich gleich wie am Ballermann fühlt, wo man sich sein Plätzchen am besten schon morgens mit einem Handtuch reserviert. Und im Englischen Garten habe ich dieses Gefühl viel zu oft.

Mindestens genauso anstrengend ist jedoch, dass der Englische Garten ein Hort bekannter Gesichter ist. Mein erster Besuch des Semesters hat mich gleich so überfordert, dass ich mir jeden weiteren Besuch gut überlegen muss. Es waren einfach zu viele Menschen da!

Die ersten fünf Meter und zwei Minuten im Park sind von bekannten Gesichtern quasi gesäumt gewesen: Erst habe ich zwei Freundinnen aus der Uni, dann zwei Freundinnen aus der Schule getroffen – und viele andere Gesichter habe ich entdeckt, denen man im Vorbeigehen nur zunickt. Alle sind sie da, egal, ob aus der Vorstadt oder nicht.

Kurz danach bin ich nach Hause in die Vorstadt gefahren, ich hatte einen Sonnenbrand und musste quasi fluchtartig in den Schatten. Zu meiner Freude war die S-Bahn leer. Überrascht hat mich das nicht. Vor lauter Ruhe und Einsamkeit bin ich gleich seelig eingeschlummert.

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