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Die Blumenmädchen singen nicht mehr

von Rita Argauer

Jahr: 2013, Woche: 47

Als 15-Jährige begannen Oda und Tasmin Musik zu machen. Sie vertonten ihre Freundschaft - beim Sound of Munich Now Festival 2013 spielten sie eines ihrer letztem Konzerte. Jetzt löst sich Tuó auf

Wolfratshausen – Über Mädchenfreundschaften gibt es viele Bücher. Zwei Freundinnen und ein Kriminalfall, zwei Freundinnen und ein Pferd oder die typischen Internatsgeschehnisse. Gerne werden in solchen Romanen auch Abenteuer erzählt – und natürlich darf auch die Zerreißprobe nicht fehlen, die die beiden Freundinnen nach einem Konflikt noch enger zusammenschweißt. Oda Tiemann und Tasmin Gutwald begannen vor fünf Jahren als 15-Jährige zusammen Musik zu machen und vertonten diese Freundschaft. Und das Abenteuer in Form von Konzerten, Interviews und Plattenproduktionen ließ dann auch nicht lang auf sich warten. Die erste EP ,,Walk on Silence‘‘ erschien 2010 bei Flowerstreet Records und war überraschend erfolgreich. Doch jetzt gehen sie getrennte Wege.

,,Wir hatten eine sehr schöne Zeit zusammen‘‘, sagt Tasmin. Doch sie seien nun an einem Punkt, an dem sie unterschiedliche Dinge machen wollen. Das Album ,,Tales of Life‘‘ erschien erst vor gut einem Jahr – fast etwas altklug klangen die damals 19-Jährigen darauf, aber ihr Sound war plastischer als auf der ersten EP, an deren Erfolg sie anknüpfen konnten: Tuó waren das Aushängeschild von Flowerstreet Records, wurden vom Bayerischen Rundfunk im Programm der On3-Startrampe gefördert und spielten im vergangenen Juni den Tour-Support für David Lemaitre, der sie sogar in die berühmte Panorama-Bar im Berliner Berghain brachte.

Sie seien nun gerade dabei gewesen, neue Demos aufzunehmen, sagt Oda, doch irgendwie habe es sich nicht mehr richtig für sie angefühlt. ,,Ich habe letztens ein Konzert von Sophie Hunger in Reutlingen gesehen‘‘, erzählt sie, und sie sei beeindruckt gewesen, wie sehr die schweizerische Sängerin ihre Musik live verkörperte. Ein Gefühl, das sie mit Tuó nicht mehr ganz aufbringen könne. Für Tasmin ist hingegen klar, dass sie ihr Leben ganz der Musik widmen wolle – mit all der nötigen Konsequenz und Hingabe. Oda sieht sich an dem Wendepunkt vom Teenager-Dasein zum Erwachsenen. Nach ihrem Fachabitur in Gestaltung, das sie vergangenes Jahr gemacht hat, überlegt sie nun, Kunst zu studieren. Die Musik als einzige Priorität reicht ihr nicht aus: ,,Das waren immer zwei Welten‘‘, erklärt sie ihre Situation. Die Musik sei die eine gewesen, ihr Leben die andere. ,,Es ist natürlich traurig, dass nun eine dieser Welten wegbricht‘‘, sagt sie, aber auch sie will diesen Raum – vielleicht mit einem anderen musikalischen Projekt, vielleicht mit bildender Kunst – von nun an eigenständig füllen.

Tasmin schreibt derzeit schon an neuen Songs und arbeitet an einer neuen Richtung: ,,Ich will einen eigenen Weg finden und meine Persönlichkeit ausleben‘‘, erklärt sie. Die eigene Persönlichkeit von der der besten Freundin zu entkoppeln, ist auch für Oda ein ausschlaggebender Punkt. Denn: ,,Wir haben uns verändert‘‘, sagt sie, die Pläne und Wünsche der beiden entsprächen einander einfach nicht mehr.

Schon die letzten Bandfotos, die sie veröffentlichten, wirkten anders: Zuvor regierte eine gewisse Hippie-Romantik und Naturverliebtheit den Stil von Tuó. Das letzte Foto jedoch zeigt zwei junge Erwachsene, die in Schwarz-Weiß mehr an die etwas verruchte Maria Schneider in ,,Der letzte Tango in Paris‘‘ erinnern. ,,Wir haben uns nicht im Streit getrennt, auch wenn es doch sehr traurig ist‘‘, sagt Tasmin. Doch die künstlerische Entwicklung der beiden weg von den eindimensionalen Romanfiguren ist spannend wie nötig. Anfang Januar werden sie ihr letztes gemeinsames Konzert im Münchner Cord geben.

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