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Vielen Dank, Kai Pflaume

von Lisi Wasmer

Jahr: 2013, Woche: 29

Kai Pflaume hat die Ansprüche an Romantik ziemlich hoch gesteckt - dank ihm träumen tausende Frauen von Teelicht-Herzen und roten Rosen. Doch das kann auch zu Problemen führen.

Ich gebe zu, ich bin ein wenig voreingenommen. Das liegt daran, dass ich im Alter von acht Jahren unsterblich in Kai Pflaume verknallt war, er aber nie auf meine gemalten Liebesbriefe geantwortet hat. Vermutlich war er zu sehr damit beschäftigt, unglücklich Verliebte im Fernsehen wieder zu vereinen. Ist aber egal. Ich fühle mich von Kai Pflaume ziemlich im Stich gelassen: 18 Jahre lang hat er uns erzählt, was angeblich romantisch sein soll. Dann hat er sich dezent in die Zahnbürstenwerbung zurückgezogen – hinter sich ein Meer von Frauen, die von Teelicht-Herzen und roten Rosen träumen. Und mich. Todunglücklich und fernab davon, Romantik jemals wieder etwas abgewinnen zu können. Danke, Kai Pflaume. Sabine ist übrigens total beleidigt.

Sabine hat Geburtstag und ist ein Musterbeispiel eines Kai-Pflaume-Opfers: Ohne Romantik geht bei ihr gar nichts. Gerade hat sie beim Bowlen einen Strike geworfen. „Ein Volltreffer. Genau wie Du“, ruft Andreas und wirft ihr eine Kusshand zu. Ich schaue unverfänglich auf meine Schuhspitzen. Die beiden kennen sich von der Uni und sind gerade im Begriff, das nervigste Pärchen aller Zeiten zu werden. „Mit dir habe ich den Wurf meines Lebens gemacht“, zwitschert Sabine. Das ist zu viel. Die meint das ernst. Ich muss so lachen, dass mir mein Schoko-Milchshake aus den Nasenlöchern tropft. Peinliche Stille. Sabine straft mich mit Todesblicken. Wie gesagt: Sie ist total beleidigt.

Vielleicht liegt es ja daran, dass ich mit zwei großen Brüdern aufgewachsen bin und mir dadurch die frühkindliche Hinführung an die Doppel-X-Chromosomität abgeht. Das wirft mir jedenfalls mein Kumpel Markus vor, den ich am nächsten Morgen treffe. Als er mir erzählt, er habe für die süße Nachbarin aus der Wohnung gegenüber ein Windrad in Rosenform gebastelt, bin ich jedenfalls froh, dass ich diesmal keinen Milchshake bestellt habe. Das hätte schon wieder eine Sauerei gegeben. Markus schmollt.

Dabei bin ich nicht allein. Tanja, meine Sandkastenfreundin, hat von ihrem Freund zum Geburtstag ein selbst geschriebenes Gedicht bekommen. Sonst nichts. Dabei hätte sie sich so über diese High Heels gefreut, die sie im Internet entdeckt hatte. Zumal allein in deren Absätzen schon mehr Poesie steckt als in den Reimen ihres Freundes. Als sie ihm das sagt, ist er zutiefst verletzt. Das einzige, was die Beziehung vielleicht noch retten könnte, wäre ein Auftritt bei „Nur die Liebe zählt“, mit Teelichtern und roten Rosen. Aber stattdessen gibt es Zahnbürstenwerbung. Danke, Kai Pflaume.

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