parsi

Tausend Wörter – Literatur zu Gast im Farbenladen

von Marie Schoeß

Jahr: 2012, Woche: 05

Ein kleines Rasiermesser lauert auf jeder Seite des Literaturmagazins Parsimonie. Parsimonie – oder das Prinzip der sparsamsten Erklärung, so haben die vier Studenten ihre eigene Zeitschrift genannt. Es ist ein Prinzip, das sie ernst nehmen: Immer wieder werden die Texte gekürzt, verdichtet, zugespitzt auf die wesentlichen Zeichen – das gilt auch für die eigenen Texte, die die vier Herausgeber im Farbenladen präsentieren.

 Am Sonntag, 5. Februar, lesen die Macher des Heftes von 17 Uhr an im Farbenladen – ein literarischer Fragebogen:

Alles ist erlaubt, Hauptsache kurz. Warum?

 Philip: Wenn alle immer mehr wollen, kann auch die Einschränkung mal süß schmecken.

Fabian: Wer wirklich etwas zu sagen hat, braucht nicht viele Worte.

Markus: Nach der Ausschweifung aufs Wesentliche besinnen – Reduktion ist eine hohe Form des Könnens.

Elias: Pop, weil Pop kein Problem hat.

 

Eine Zeile, die dir nicht mehr aus dem Kopf geht…

 Philip: Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.

Fabian: „Da konnte Chloe nicht länger an sich halten, sondern voller Freude über dieses Lob und schon längst voll Verlangen, Daphnis zu küssen, sprang sie auf und küsste ihn, unerfahren zwar und kunstlos, aber so, dass sein Innerstes erglühte“ (Longos).

Markus: „Literatur ist mehr als nur das Leben, wenn was von ihr übrig bleiben soll.“

Elias: „Drüben auf dem Hügel möcht‘ ich sein“

 

Warum habt ihr angefangen zu schreiben?

Philip: Kann man sich selbst die besten Geschichten erzählen? Nein. Aber es ist trotzdem schön.

Fabian: Um nicht wahnsinnig zu werden.

Markus: Erzählen = Schreiben – die Welt besteht aus Erzählungen. Wenn ich selbst also eine Erzählung bin … dann erzähle ich auch und lasse nicht nur erzählen.

Elias: Wahrnehmungsprobleme.

 

Ein Buch, das du nie lesen wirst…

Philip: „Jetzt lerne ich: Dreamweaver CS3“.

Fabian: „Wilhelm Meisters Wanderjahre oder die Entsagenden“ von Johann Wolfgang von Goethe.

Markus: Das Telefonbuch.

Elias: Ikea-Katalog.

 

Das liebste Kinderbuch

Philip: Nicobobinus von Terry Jones.

Fabian: „Who Is Fourier?: A Mathematical Adventure“ vom Transnational College of LEX.

Markus: Prager Märchen von Miloš Macourek.

Elias: Nur ein Satz blieb mir in Erinnerung: „Von hinten ein bisschen frieren, von vorne ein bisschen schwitzen.“ Oder so.

 

Gummibärchen oder Schokolade?

 Philip: Saure Gummibärchen.

Fabian: Keins von beiden.

Markus: Es lebe das Gummibärchenhoroskop!

Elias: Nichts von alledem.

 

Konzert oder Lesung?

Philip: Konzert und Lesung.

Fabian: Lesung.

Markus: Beides.

Elias: Konzert.

 

Lieblingsort in München?

Philip: Cafeteria Schellingstraße 3, Dachterrasse. Donnersbergerbrücke. Bank am Leonrodplatz.

Fabian: Universität.

Markus: Mit dem Hund im Olympiapark/englischer Garten, Nordteil.

Elias: Mein Zimmer.

 

Drei Dinge, die du an München magst…

Philip: Meine Freunde. In manchen Bars darf man noch rauchen. Wie die Augustinerbrauerei von hinten aussieht.

Fabian: Museen, Universität, meine Küche.

Markus: Die Viertelkultur wie auf ’nem Dorf, den Valentin Karl, die Stadt als Verlagsmetropole.

Elias: Die Donnersbergerbrücke, Universitäts- und Staatsbibliothek, die Interessanten.

 

… und die du an München nicht vermissen würdest

Philip: Überhebliche Schwabing-Kinder im Bus. Alle Bars, die wie die NewsBar aussehen. Immobilieninvestoren.

Fabian: Den Englischen Garten, Neubauprojekte mit peinlichen Namen, Menschen die einkaufen gehen, wenn ich einkaufen will.

Markus: Das ewig Gestrige, Gentrifizierung, Großkotzigkeit & Geldsäcke.

Elias: OB Ude, Fußgängerzone, keine Nachtkioske.

 

Weitere Informationen unter www.parsimonie.de.

Teilen

Kommentare sind geschlossen.