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Suche Wohnung, biete Witz

von Leonie Teisner

Jahr: 2013, Woche: 29

Die Kunststudentin Johanna Müller (Foto: privat) verschickt lustige, handgeschriebene Briefe an Makler und Vermieter, um an eine preiswerte Wohnung in München zu gelangen.

München – Bei der Wohnungssuche in München gibt es normalerweise nichts zu lachen. Aber genau darauf setzt Johanna Müller, 24, aus Wien, die vom Wintersemester an in München an der Kunstakademie studiert. Um an eine Wohnung zu gelangen, verschickt die Studentin handgeschriebene Briefe an Makler und Vermieter und zieht darin sich und den Wohnungsmarkt durch den Kakao. Für eine preiswerte Unterkunft würde sie, so schreibt sie, viel in Kauf nehmen: Ist der Vermieter etwa ein Tierliebhaber, so legt sie sich auch gerne einen Dackel zu und benennt ihn nach dem Wohnungsbesitzer.

SZ: Für die Münchner Vermieter scheinst du deine Ansprüche extra heruntergeschraubt zu haben. Mit einem Wasseranschluss und isolierten Fenstern bist du schon zufrieden. Hast du denn sonst noch Wünsche?
Johanna Müller: Über ein Haus mit Garten würde ich mich nicht beschweren. Ich würde auch größere Wohnungen zum kleineren Preis nehmen. Da bin ich ganz flexibel.

Du schreibst Briefe. Warum suchst du auf diese Weise eine Wohnung?
Gerade suchen alle. Entweder die Wohnungen sind sofort weg, oder man kann sie sich als Student einfach nicht leisten. Mit den Briefen möchte ich diejenigen direkt ansprechen, die daran etwas ändern können – in einer Form, die nicht mehr üblich ist. Der Aufwand, den ich in die Briefe investiert habe, soll sich lohnen: Das Schönste wäre vielleicht eine handgeschriebene Antwort. Und wenn ich die Vermieter nur ein bisschen ärgere, weil sie durch meinen Text irritiert sind oder sie einfach meine Handschrift nicht lesen können, fände ich das auch ganz lustig.

Was willst du mit deiner Aktion bewirken, abgesehen davon, dass du eine Wohnung ergattern willst?
Ich möchte natürlich, dass sich jemand, der viel Geld mit Immobilien verdient, Gedanken über die Situation macht – vielleicht auch darüber, ob es nicht doch Wege gibt, Wohnen in München günstiger und die Suche einfacher zu machen.

Und was erhoffst du dir selbst?
Der Idealfall für mich wäre, wenn ich eine provisionsfreie Wohnung finde. Aber darum soll es nicht in erster Linie bei diesem Projekt gehen.

Warum solltest denn ausgerechnet du eine Wohnung bekommen?
Warum sollte gerade ich keine Wohnung bekommen? Es ist nicht gesagt, dass meine Briefe zu einer Wohnung führen. Wie gesagt: Das Ganze ist ein Versuch, der Ausgang ist offen.

Denkst du, dass deine Briefe mit Humor aufgenommen werden?
Ja, eine Immobilienagentur hat mich schon angerufen und sich ganz herzlich für meinen Brief bedankt. Sie hätten den ganzen Tag lustige Gespräche deswegen gehabt.

In deinen Briefen bittest du auch um ein Jobangebot. Was stellst du dir da vor?
Ich könnte mir zum Beispiel gut vorstellen, in einem Immobilienbüro zu sitzen und Texte über die tollen Wohnungen zu schreiben, schließlich habe ich kreatives Schreiben studiert.

Du bietest an, deinen Dackel nach deinem Vermieter zu benennen. Was machst du, wenn dir der Name nicht gefällt – oder bist du da völlig schmerzfrei?
So schlimm ist das gar nicht. Ein Vermieter hieß Rosmarin. Ich denke, es wäre sehr schön, einen Dackel zu haben, der Rosmarin heißt.

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