Provo_monacomoll

Straßen-Rap und Uni-Rhymes

von Rita Argauer

Jahr: 2013, Woche: 17

Provo ist vielleicht der einzige, der wirklich weiß, wie Münchner Hip-Hop funktioniert. Er macht Beats für Künstler aus Neuperlach und Neuhausen. Alle Produktionen sind nun auf dem Album "Monaco Moll" vereint.

Ein bisschen wie der Pate der Stadt wirkt Daniel (Foto: Stefan Zinsbacher), Mitte 20, der unter anderem ein Album des Münchner Rappers Manekin Peace produziert hat: der Pate der Hip-Hop-Stadt München. So jedenfalls wirkt es, wenn man sich sein Album „Monaco Moll“ anhört. Düster und ernsthaft präsentiert es sich. Daniel, der sich als Musiker und Produzent Provo nennt, hat es vor wenigen Wochen kostenlos im Internet veröffentlicht. Darauf: ein perlender Ausschnitt der Szene, unterlegt mit den Beats von Daniel. Da trifft etwa der Soul eines Boshi Son auf eine Zusammenarbeit der Rapper Edgar Wasser und Fatoni. Aber auch unbekanntere und jüngere Künstler kommen zum Zug. In der Mischung trifft dann der philosophisch-doppelbödige Text von Keno von Moop Mama auf die vor Straßen-Credibility triefenden Zeilen eines Cruso, der sich neben den Mundart-Fetzen von Doppel Ds Monaco Fränzn findet. Und dazwischen blitzt ein Track von Luko hervor, eine Sängerin, die nach astreinem Trip-Hop à la Portishead und Massive Attack klingt.

SZ: Es finden sich so viele verschiedene MCs, Rapper, aber auch Sänger auf deinem Album. War München das einzige Kriterium der Auswahl?
Daniel: Die künstlerische Qualität war wichtig. Alle Features haben etwas, was mir gefällt. Sei es eine besondere Stimme, ein guter Flow oder eine bestimmte Attitude in den Texten. Mir war außerdem wichtig, dass das Album auch verschiedene Blickwinkel auf München wirft. München ist ja bekannt für Studenten-Rap, wie der von Main Concept oder Blumentopf. Der also die intellektuelle und bürgerliche Welt repräsentiert. Da das aber nicht für alle Gegenden in München zutrifft, durften Künstler wie zum Beispiel die Jungs von Dopehouse aus Neuperlach nicht auf der Platte fehlen.

Gibt es diese Straßenszene tatsächlich in München?
Straßen-Rap kommt meist aus ärmeren Verhältnissen. Und auch wenn es keiner glaubt, gibt es auch in München arme Menschen. Gerade da in dieser Stadt alles so teuer ist, ist es für viele schwierig. Gefühlt hat der Straßen-Rap in München zahlenmäßig auch den größten Anteil. Leider klingt vieles gleich und nicht innovativ. Aber es gibt diese Szene auf jeden Fall.

Da finden sich auch einige bekanntere Namen auf deinem Album. Hast du alle Features bekommen, die du wolltest?
Ja, alle die ich gefragt habe, sind jetzt auch auf der Platte vertreten. Man kennt sich ja in der Szene von den einschlägigen Hip-Hop-Events. Und mit den meisten habe ich auch privaten Kontakt. Den einzigen, den ich davor persönlich nicht kannte, ist Edgar Wasser. Aber der bastelt ja gerade mit Fatoni gemeinsam an einem Album. Mit dem arbeite ich wiederum in einem Studio zusammen – und deshalb war die Verbindung auch nicht all zu weit entfernt.

Wie funktioniert die Münchner Hip-Hop-Szene? Wo trifft man sich, was findet statt?
Zwei Events sind hier wichtig für die Underground-Szene: die Free-Style-Session in der Glockenbachwerkstatt. Da schnappen sich neue, junge Leute einfach mal das Mikro und improvisieren auf bekannte Beats. Dort hat sich über die vergangenen Jahre auch eine gewisse Szene aufgebaut. Außerdem gibt es eine neue Reihe im Milla, die „Loop-Session“. Da spielt eine feste Hip-Hop-Soul-Live-Band, die Tribes of Jizu, die einen eingeladenen Künstler zu seinen Songs begleitet. Und die Beats dort sind meine Wurzeln. Die Musik, die ich in meiner Jugend gehört habe, also der Hip-Hop der 90er Jahre und Soul. Das ist prima dort.

Diese Einflüsse hört man ja auch auf deinem Album. Verbunden durch deine Beats, die man eher als düster und melancholisch wahrnimmt. Ist das dein Stil?
Ja, wobei es auch entspannte Tracks gibt. Aber dieses leicht Düstere und Melancholische mag ich schon gerne. Ein tanzbares Party-Album ist es jedenfalls nicht geworden. Natürlich habe ich gemacht, was mir gefällt, und nicht das, wovon ich denke, dass es ankommt. Deshalb habe ich das Album auch gratis veröffentlicht. Zum Glück muss ich nicht von meinen Albumverkäufen leben. Das wäre wohl die ungünstigste Voraussetzung, um gute Sachen zu machen.

Wie waren die Resonanzen seit der Veröffentlichung?
Das Feedback war gut. Viele haben E-Mails geschrieben, in denen sie sich bedankt haben, das freut einen natürlich besonders. Das Album wurde bisher 1400 Mal heruntergeladen, was auch keine schlechte Zahl ist, dafür, dass es keine richtige Promotion dafür gab. Manche haben freiwillig Geld dafür gespendet – jeder kann ja beim Download den Betrag eingeben, den er für „Monaco Moll“ zahlen möchte. Sonst gab es auch Anfragen von größeren Produktionen, wo ich aber noch keine Namen nennen möchte.

Was planst du in nächster Zeit?
Ich werde vermutlich noch eine Release-Party zum Album machen. Und eventuell gibt es noch eine kleine Vinyl-Auflage von den Instrumentals. Aber es gibt auch so viel Verschiedenes, gerade kommen relativ viele Anfragen rein. Aber eigentlich habe ich gerade große Lust, meinen eigenen Sound zu machen. Ich rappe und singe ja auch selbst. Und ich möchte jetzt mehr Zeit fürs Texten investieren. Sonst habe ich gerade auch wieder ein bisschen Filmmusik für die HFF gemacht und plane, eine EP mit Cruso fertig zu produzieren. Und ich habe ein kleines Akustik-Projekt am Start, wo es auch noch eine EP geben wird.

“Monaco Moll“ ist unter http://monacomoll.bandcamp.com als kostenloser Download erhältlich.

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Ein Kommentar zu “Straßen-Rap und Uni-Rhymes”

  1. Monster sagt:

    Monster Album! Respekt.