So war das Stadt-Land-Rock Festival 2011 wirklich
von Melissa Ludstock
Jahr: 2011, Woche: 27
Das Stadt-Land-Rock Festival 2011 ist vorbei - geblieben sind Eindrücke, Fotos und kleine Highlights: ein bischen Festivalflair von A - Z für zu Hause.
A wie Anfangen
Nicht immer konnten die Bands und Musiker pünktlich anfangen zu spielen. Entweder die Zugabe-Rufe der Zuschauer mussten besänftigt werden oder fehlendes Equipment herangeschafft werden. Bei Puerto Nico haben die Musiker an sich an alles gedacht – leider hatte der DJ seine Platten zu Hause vergessen.
B wie Backstage
Mal hört man Gitarrengeklimper, dann wieder eine kratzige Stimme, die sich gerade einsingt oder einfach nur Gekicher. Der Backstageraum ist Rückzugsort für die Musiker, Proberaum aber auch Umkleidekabine und sozialer Treffpunkt zugleich – nicht zu vergessen: Bar. Vielleicht trifft man des Bieres wegen hier auch immer irgendeinen Musiker an – wer weiß. Anklopfen lohnt sich in jedem Fall, es sei denn, man möchte jemanden halb nackt sehen. Okay, Männer mit nackten Oberkörpern. Sucht man aber Ansprache, dann ist man im Vorraum des Backstage-Bereichs gleich rechts vom Kühlschrank gut aufgehoben – die wohl meistbesuchten fünf Quadratmeter, die das Stadt-Land-Rock-Festival zu bieten hat. Da sieht man dann schon mal, wie sich der Schlagzeuger von On a Sunday eine ganze Banane in den Mund stecken will und dabei überraschenderweise scheitert.
C wie Chaos
Ein bei einem Festival in der Größenordung wie dem Stadt-Land-Rock zu erwartendes Chaos blieb aus. Routine eben, es hat ja bereits zum achten Mal stattgefunden
D wie Different Meaning
Die jüngsten Musiker des Festivals, mit den wohl größten Süßfaktor des Stadt-Land-Rock Festivals 2011… zumindest hat man bei keiner anderen Band folgenden Satz gehört wie bei diesen 15-jährigen Kuschelrockern: “Sind die süß!”
E wie Essen
Auf dem Tollwood kein leichtes Unterfangen, bei einer Auswahl von Chinesisch bis Griechisch über Arabisch und Döner. Den Musikern scheint es bekommen zu haben, es gab jedenfalls keine essensbedingten Ausfälle oder Klagen – nur manchmal war es schwierig, die Bands wieder zusammenzubringen, weil alle Musiker an einem anderen Stand waren.
F wie Fans
Wer glaubt, pubertierende Mädchen kreischen laut, der täuscht sich. Gut, sie können sicher zu Gehörschäden beitragen, wenn sie ihren Idolen von Different Meaning auf der Bühne zu jubeln. Mütter sind da aber auch nicht zu unterschätzen – kaum ist es mal zwei Minuten ruhig im Zelt, dann wird sofort ein dem Urschrei ähnelndes Kreischen von sich gegeben – die Kinder müssen ja unterstützt werden! Es gibt aber auch Fans, die ihre Begeisterung für eine Band weniger laut bekunden, sie tanzen dann einfach nur. Aber so, dass in einem Umkreis von fünf Metern niemand anderes mehr stehen, geschweige denn tanzen kann. Dieser Typus von Fan macht vor keinem Alter halt. Entweder Töchterchen, das Papa zu den Gitarrenklängen von On A Sunday auf den Füßen rumsteigt. Oder der flotte Opa, der seine Tanzschritte vom Standarttanz mühelos auf die verträumten Pop von Sarah Lias übertragen kann.
G wie Gewinnen
Zu gewinnen gab es beim Stadt-Land-Rock Festival nichts, dabei sein ist alles, das war das Motto. Stadt-Land-Rock ist eben kein Bandwettbewerb. Jungen Nachwuchsmusikern aus und um München eine Bühne zu geben, sie zu fördern, das war und ist das Ziel des Festivals.
H wie Harfe
Auf Bühnen selten anzufindendes Instrument, dass dieses Jahr zusammen mit MarieMarie auf dem Stadt-Land-Rock Festival 2011 zu hören war. Das Instrument ist blau angemalt und mit glitzernden Sternen besetzt – und macht Maries Musik so wunderbar verträumt. Verträumt, nicht feenhaft - dazu sieht Marie mit ihren feuerroten, krausen Haare, die zu einem Irokesen gesteckt sind, und ihren schwarzen, schweren Stiefel zu wild aus.
I wie interessante Mischung
Beim diesjährigen Festival kam jeder Besucher auf seine Kosten, aus den verschiedensten Genres gab es Musik zu hören. Von gerapptem Hip Hop mit Puerto Nico, über Kuschelrock mit Different Meaning und verträumtem Pop mit On a Sunday hin zu rockigeren Tönen mit the Barillas.
J wie Junggesellenabschied
Laut grölend zieht ein Trupp Männer vor die Bühne. Sie haben ähnlich wie Sänger Johannes von Radio Riot ein kleines Megafon dabei. Gehören die Männer vielleicht zur Show von Radio Riot, die gerade auf der Bühne stehen und spielen? Die Band hatte ja auch ein Megafon in ihr Konzert eingebaut. Doch die Männer sind ziemlich heiter und tragen Lederhosen. Einen von ihnen hat es besonders schlimm getroffen – oder besser gesagt sein T-Shirt: letzter Tag als Freiwild steht darauf geschrieben. Und schon ist alles klar, ein Junggesellenabschied hat es auf den Auftritt von Radio Riot abgesehen! Laut singend, betrunken tanzend und wackelnd verstören sie nicht nur die vor der Bühne tanzenden Mädchen, sondern sie sind laut und schreien herum – auch in ihr Megafon. Doch Sänger Johannes löst die Situation souverän. Er holt einen der Störenfriede zu sich auf die Bühne und erwischt ausgerechnet den am nüchternsten bald-Ehegatten – dem ist das ganz schön peinlich. Kaum steht er wieder vor der Bühne, suchen der Auserwählte und seine Freunde schnell das Weite.
K wie Kinder
Auch die Jüngsten besuchten das Musikfestival. Entweder vor Konzertbeginn, als Horde wild im Kreis über die Tanzfläche rennend oder dann als kleine Konzertkritiker mit Mama’s Digitalkamera vor der Bühne. Natürlich nur bis acht Uhr, dann ging es für die kleinen ab nach Hause ins Bett.
L wie Lautstärke
Das Festival fand in der tanzbar statt, einem Zelt. Vorgeschrieben sind 90 Dezibel, nicht mehr. Das passte nicht jedem Musiker – auch nicht jedem Gast. Aber das KVR will es eben so. Auch nach 22 Uhr waren nur noch leise Gitarrenklänge angesagt – passend zur Singer-Songwriter Akustikreihe, die diesjährig erstmals beim Stadt-Land-Rock Festivals 2011 stattgefunden hat.
M wie Mitmachen (I)
Egal ob mitsingen, mittanzen oder mitlachen – nur da stehen und zuhören, das geht nicht. Und so viel darf verraten werden: es wurde eifrig getanzt, gesungen und geklatscht.
M wie Mitmachen (II)
Es ist noch ein bisschen hin – aber alle Bands, die kommendes Jahr auch beim Stadt-Land-Rock mitspielen wollen: Die Ausschreibung läuft wieder im Januar und Februar 2012.
N wie Notfall
Einen Notfall gab es nicht wirklich, oder zählt eine vergessene Platte dazu? Wie schon unter Punkt A erwähnt, hat der DJ von Puerto Nico seine Platten vergessen. Das wäre zwar schlimm, aber nicht weiter tragisch. Schließlich könnte ja die Band alleine spielen, bis Ersatz beschafft ist Das Problem: Der Schlagzeiger hat den DJ zum Einkaufen begleitet. Nico bleibt da etwas verdutzt auf der Bühne zurück, aber ohne Platte keine Musik. Ein paar Minuten später kommen die beiden Gestalten wieder zurück gerannt ins Zelt und springen sofort auf die Bühne. Außer Puste, aber gut gelaunt fängt Puerto Nicos Konzert dann mit etwas Verspätung an.
O wie Optimismus
Moderator Michael Bremmer stets mit guter Laune und Optmismus zu Stelle: “Alles wird gut.”
P wie Pfützen
Was wäre das Tollwood ohne Pfützen? Größtenteils blieb das Stadt-Land-Rock Festival vor größeren Regenfällen verschont – erst am letzten Abend schüttete es kräftig. Da ärgerte sich so manch einer, dass er die wasserfesten Trekkingschuhe die beiden trockenen Abende zuvor anhatte, Sonntag in den dünne Turnschuhen allerdings feuchte Füße bekommen hatte.
Q wie Qualmen
Im Zelt durfte nicht geraucht werden – und wenn das doch getan wurde, dann war sofort ein netter Mensch vom Sicherheitsdienst da, der einem das dann verboten hat. Auch die Musiker haben sich daran gehalten.
R wie Regen
Dieses Jahr einmal mehr Glück gehabt beim Stadt-Land-Rock Festival in Sachen Regen. Bis auf einen kräftigen Schauer am Sonntag gab es kaum nasse Füße – abgesehen von dem ein oder anderen umgefallenen Bier.
S wie Sarah Sophie und T wie Theresa Chanson
Theresa Chanson grinst neckisch, als sie auf der Bühne steht und verkündet, dass sie jetzt eine Überraschung habe. Man ist gespannt, ein Raunen und Köpfe recken geht durchs Publikum. Dann betritt Sarah Sophie die Bühne, sie spielt eigentlich erst nach Theresa an diesem Abend. Theresa lacht herzlich, blickt zu ihrer Musikerkollegin und sagt: „Das ist Sarah Sophie“, mehr gibt es auch nicht dazu zu sagen – Theresas Tonfall gibt Anlass zum Schmunzeln, er hört sich erklärend an, hatte etwas von Sendung mit der Maus. Sarah begleitet Theresa mit ihrem Gesang. Viel zu hören war von Sarah nicht – die Technik. Aber dafür war Sarahs Konzert im Anschluss ein toller Erfolg – mit ein kleinen Einlage von Theresa Chanson.
U wie Umbaupausen
Wichtig und nicht weg zu denken bei einem Festival, ohne sie könnten nicht so viele Bands hinter einander spielen. Und die Zuhörer könnten sich in den Pausen auch nichts zu essen und trinken holen. Ganz zu schweigen von den Bands, die in den Pausen ihre CD’s und T-Shirts verkaufen wollen.
V wie voll
Die Tanzbar war natürlich jeden Abend voll. Doch ganz besonders voll und gut besucht war sie Samstagabend. Dicht gefolgt von Sonntag – da hat es draußen vorm Zelt aber auch geschüttet.
W wie Warten
Warten hat auf die nächste Band hat sich 18 Mal gelohnt.
X wie Xaver von the Barillas und sein Schnauzer
Xaver von the Barillas hat sich extra zum Stadt-Land-Rock Festival einen Schnauzer wachsen lassen. Hut ab für so viel Vorbereitung und Engagement!
Z wie Zelt
Stadt-Land-Rock fand in der tanzbar statt, das natürlich – was auch sonst auf dem Tollwood – ein Zelt ist. Das ein oder andere Mal ist es als SZ-Zelt von einigen Künstlern genannt worden. Die Macht der Gewohnheit eben.
Foto: Alessandra Schellnegger
Fotos in der Bildergalerie: Jana Schambeck (Donnerstag und Sonntag), Mary Ludstock (Freitag und Samstag)




