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Raus zu den Röcken

von Lisi Wasmer

Jahr: 2012, Woche: 13

Liebeskummer lohnt sich nicht. Das weiß Luis. Deswegen sucht er nach Ablenkung, wagt sich trotz katerbedingter Kopfschmerzen in die freie Natur. In die Nähe seiner weiblichen Altersgenossen. Denn Flirten bei Sonnenschein lohnt sich normalerweise schon.

Wenn man morgens schon Kopfschmerzen hat, kann das eigentlich gar kein guter Tag werden, sagt Luis. Das ist ein für ihn durchaus ein Problem, weil Luis gerne mal einen trinkt, seit er sich vor einigen Wochen von seiner Freundin Sophie getrennt hat, was die Anzahl an Tagen, an denen er schon morgens Kopfschmerzen hat, drastisch in die Höhe treibt.

Es ist also mal wieder ein Tag danach und Luis quält sich aus dem Bett, um sich in der Küche einen Rollmops-Aspirin-Kaffee-Cocktail zu mixen. Das hilft gegen Kopfschmerzen. Und gegen Mageninhalt. Aber das ist es wert, sagt Luis. Als er schließlich die Augen halb aufschlagen kann, stellt er fest, dass die Eiszeit scheinbar endlich vorbei ist: Strahlender Sonnenschein brennt ihm die Netzhäute weg. Ein schöner Schmerz. Der Frühling ist da und Luis beschließt, über Sophie hinweg zu sein, bereit für was Neues. Er geht unter die Dusche, macht Kniebeugen, nur so aus Prinzip. Mit frischen Klamotten und offen für die Liebe wagt er sich hinaus in die Welt. Er will in den Englischen Garten, kurzen Röcken hinterher sehen und einen davon vielleicht sogar auf ein Eis einladen.

Es dauert nicht lange, da hat er das passende Röckchen auch schon im Visier: luftig, weiß, mit Blumenmuster. Und das Wichtigste: sehr kurz. Luis macht sich auf, den Schmetterling zu fangen. „Der Lenz ist da“ sagt er und postiert sich vor dem Blumenrock. Der schaut sich verwirrt um. „Weil der Spargel wächst“, feixt Luis weiter. Der Rock sieht angewidert zur Seite. Luis verlässt der Mut. Wie ging das doch gleich mit dem Baggern? Er denkt an Sophie. Dann an den Rollmops vom Morgen. Er würgt. Der Blumenrock ist schon hinter der nächsten Wegbiegung verschwunden. Luis entlässt den Rollmops in die Freiheit. Oder zumindest in einen Mülleimer. Sein Spargel fühlt sich an, als hätte man Cremesuppe daraus gekocht. In Gedanken korrigiert er sich: Wenn man morgens schon Kopfschmerzen hat, kann es kein guter Tag werden. Nicht mal, wenn es warm ist und die Sonne scheint.

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