bierprinzessin

Prinzessin wider Willen

von Simone Bauer

Jahr: 2012, Woche: 26

Kristin Strebl hat aus Spaß bei einer Wahl zur Bierkönigin mitgemacht, obwohl sie in ihrer Freizeit lieber Hardcore-Musik statt Bierzelt-Rock hört – jetzt ziert sie das Cover eines Brauereikalenders

Hardcoremusik, Mallorca-Aufenthalte und das Krönchen ihres Bierprinzessinnen-Titels: Das ist Kristin Strebls Welt. Aber: Eigentlich stellt man sich das typische Mädchen, das die Schärpe mit dem Titel „Bierprinzessin“ trägt, blond vor, von der Sonne geküsst und mit strahlendem Lächeln. Üblicherweise denkt man nicht zuerst an ein Mädchen, das bei der Punkband H2O in der ersten Reihe steht, mit Schweiß auf dem puderweißen Gesicht und einer großen Brille, so schwarz wie ihr Pony. Bei Kristin ist das aber genau der Fall.

Die 21-Jährige studiert in München im ersten Semester Tourismusmanagement an der Hochschule, stammt aber aus Burglengenfeld in der Oberpfalz. Neben ihr im Café im Glockenbachviertel sitzt die brünette Jasmin Wollitzer, die mit ihr in die neue Wohnung in Laim gezogen ist und in den Kursen neben ihr sitzt, wie früher in der Schule schon. Es war ursprünglich Jasmins Idee, im Mai 2011 bei der Wahl zur Bierkönigin und den beiden Bierprinzessinnen einer ortsansässigen Brauerei mitzumachen.

Im Bewerbungsverfahren setzten sie sich gegen 40 andere Kandidatinnen durch, von den Top-Ten schaffte es aber schließlich Kristin allein unter die finalen Drei. Und das, obwohl sie nur in Blazer und Röhrenjeans zum ersten Casting gegangen ist. Sie hätte nicht damit gerechnet – und sie hat es sich auch nicht so sehr gewünscht wie die Mitbewerberinnen. Lieber war Kristin am Tag vorher feiern, als sich ernsthaft auf ihre Rede, ihr Make-Up und ihre Frisur vorzubereiten. Ihre Eltern seien aufgeregter gewesen als sie, meint Kristin. Wegen ihres Vaters war Kristin während ihrer Realschulzeit Festdame eines Burschenvereins – damals noch mit rot gefärbten Haaren. Die Oma sammelt alle Zeitungsausschnitte und hebt den Kalender der Brauerei auf, dessen Cover Kristin nun ziert.

Reingewachsen sei sie in die Rolle, sagt Kristin. Ein ganzes Jahr war sie als Bierprinzessin unterwegs, fast jedes Wochenende. Glamourös sieht anders aus. Es werde viel von einem verlangt, sagt sie: Ausschenken während der Messe Bregenz, Anstoßen mit dem Bürgermeister und Zulangen beim Drei-Gänge-Menü gehören hier zu den Pflichten.

Dennoch: Ihre Freizeit hätte sie sich auch anders einteilen können. Für sie lohnten sich die kleinen Dinge. Bei einem Besuch beim Regensburger EVR besorgte sie ihrer Freundin ein Autogramm ihres Lieblings-Eishockeyspielers zum Geburtstag. Und beim Regensburger Ironman ehrte sie den Sieger. Kristin hatte sich den sportlichen Wettkampf für mehrere Stunden angesehen und war angetan, voller Euphorie. „Eine von denen ist vorbeigelaufen und rief: ,Oh, you have a lovely hat!‘ Ich fand das beeindruckend, dass die mich im Dirndl während des Rennens wahrgenommen hat.“

Kommentare hat sie häufig bekommen, etwa: „Was hast du denn für einen Deckel auf?“ Das ist wegen ihres Huts. Aber überwiegend habe sie auf den Festen nette Menschen kennengelernt, sagt sie. Dennoch ist sie sich sicher: „Da kann man kein ruhiges Mauerblümchen hinsetzen.“ Viele würden der Werbeträgerin oberflächlich begegnen. Sie bemüht sich, das Dirndl, das ihr von der Brauerei gestellt wurde, anders zu tragen. Das Hütchen, das ihr als Krone dient, steckt sie sich fantasievoll in die Haare – und auch auf ihren schwarzen Eyeliner legt sie großen Wert. „Ich bin jetzt nicht das typische bayerische Mädchen vom Land. Das strahle ich nicht aus, das möchte ich nicht sein.“

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