francois

Nichts gegen Romantik

von Simone Bauer

Jahr: 2012, Woche: 38

Liebesfilm, Romantik, Komödie - das bezeichnet François Goeske als sein Fachgebiet. Bei seiner Arbeit kann er seine Liebe zur Schauspielerei und seine Leidenschaft für Musik gut verbinden. Dafür schmiss er sogar die Schule.

Als er seinen Namen nennt, schnellt der Blick einer jungen Frau am Nachbartisch hoch. Erkennt sie ihn, vielleicht aus „Französisch für Anfänger“? Gefällt ihr einfach nur der Klang seines Namens und sein Dreitagebart? Oder sieht sie ausschließlich nur einen 23-Jährigen, der in einem Schwabinger Café entspannt? Tatsache ist, dass François Goeske bereits das erreicht hat, was andere Kollegen erst zwanzig Jahre später schaffen: Hauptrollen in großen Kinoproduktionen, Poster in Mädchenzimmern und Kritikerpreise.

Seine ersten öffentlichen Auftritte hatte er mit dem Kinderchor an der bayerischen Staatsoper, an der sein Vater Cellist ist. Zu dieser Zeit spielte er auch Geige und Klavier. „Ich singe immer noch gerne. Ich würde mich schon als jemanden bezeichnen, der Musik macht“, erklärt er über einer Tasse Cappuccino. Er ist Teil eines Improvisationstrios, das Vorschläge aus dem Publikum annimmt und spontan in Lieder umwandelt, a cappella. Die Gruppe „Off the Cuff“ improvisiere und ersetze Instrumente mit Beatbox-Elementen. Das Kollektiv ist erst ein Jahr alt, doch François spricht darüber genauso begeistert wie über die Schauspielerei – die er immerhin schon seit 2001 betreibt.

Für „Das fliegende Klassenzimmer“ wurde damals ein Streetcasting auf seinem Schulhof veranstaltet. „Die haben die Leute angeguckt, und nur die, die gepasst haben, bekamen einen Flyer. Bei mir hat es anscheinend nicht gepasst, ich habe keinen bekommen.“ Aber François kopierte sich den Flyer eines Freundes im Lehrerzimmer. Er ging zum Casting und wurde genommen.

Seine Leidenschaft fürs Singen konnte er im „Dschungelbuch 2“ fortsetzen, er war Mowglis Gesangsstimme. Doch die Schauspielerei spielte eindeutig wichtigere Rolle in seinem Leben – noch vor der Musik, noch vor der Schule. François haderte oft mit seinem Alltag als Schüler, schwänzte und war wesentlich lieber beim Film beschäftigt als mit dem Drücken der Schulbank. „Beim Drehen bist du näher am Leben dran, erlebst jeden Tag etwas und wirst selbst gefordert.“ Ein schlechter Schüler sei er nie gewesen, faul ebenso wenig. Eher gelangweilt, wenig inspiriert von seiner Umgebung.

Als sich der junge Mann, der in Frankreich geboren wurde, für die Neuverfilmung von „Die Schatzinsel“ mit Jürgen Vogel verpflichtete, beschloss er, das Dante-Gymnasium zu verlassen, er war damals in der zehnten Klasse. „Um diesen Film zu machen, haben die Produzenten ganz klar gesagt: ,Schule geht da nicht‘.“ Sehr zu seiner Freude, doch umso mehr zum Ärger seiner Mutter. François imitiert den französischen Akzent seiner Mama, fügt aber an, ihr Klagen, er solle die Schule abschließen, sei irgendwann zwecklos gewesen. Sein Vater, ein Künstler, sei verständnisvoller gewesen.

„Das ist das Geile an der Schauspielerei: Alles, was du erlebst und machst, kannst du nutzen für deine Schauspielerei. Schnitzen zum Beispiel.“ Daher denkt er nicht, in nächster Zeit eine Schauspielschule besuchen zu müssen, so wie andere Jungschauspieler das für den richtigen nächsten Schritt in die Zukunft halten. Für Castings arbeitet er zwar mit einem Coach, aber über Jahre hinweg täglich zum Unterricht zu gehen, wäre nichts für ihn. „Ich baue auf Erfahrungen. Schauspielern kann man nicht beibringen.“ Von Freunden aus der Branche höre er oft, dass diese von ihren Lehrern „gebrochen werden“, ein Prozess, der François nicht zusagt. Den Job mache er ja schließlich schon ein paar Jahre. Seine Preise und Nominierungen, wie der Darsteller-Sonderpreis für den Kinofilm „Bergkristall“, bestätigen ihm, dass er auch ohne Schauspielunterricht gut zurecht kommt – inspirieren würde dieser ihn wohl ebenso wenig wie sein abgebrochener Weg zum Abitur.

Nun strebt er eine internationale Karriere an. Seine „Base“ sei momentan noch München. „Ich brauche dieses harmonische Stadt“, sagt er kurz nach seinen Dreharbeiten in Berlin. Dort hat er „Lost Place“ gedreht, einen 3 D-Mystery-Thriller, der im März 2013 vermutlich wieder hauptsächlich Mädchen in die Kinos ziehen wird. François ist durch seine Rollen zu einem Schwarm des deutschen Kinos geworden und daran ändert auch „Lost Place“ nichts, selbst wenn er betont: „Der Film ist erwachsener. Es geht nicht in erster Linie um Liebe.“ Aber natürlich kommt die auch vor.

„Liebesfilm, Romantik, Komödie – das ist ja auch mehr oder weniger mein Fachgebiet.“ Das findet er nicht schlimm, im Gegenteil. Privat gucke er das sowieso gerne, „aber ich bin jetzt nicht unbedingt der total Verschmuste“. Verschämt fügt er hinzu: „Ich bin schon romantisch.“ Gegen Liebesfilme hat er also nichts, ebenso wenig wie gegen sein Image als Frauen- und Männerschwarm. Um letzteres zu bedienen, schlüpfte er für die „SOKO München“ in die Rolle eines schwulen Pianisten. Hier schloss sich auch wieder der Kreis, und François konnte zu seinem musikalischen Hintergrund zurückkehren: „Ich musste meine Musikkenntnisse herausholen.“ Er lacht. Sein Bruder half ihm, sich innerhalb einer Woche am Klavier zurechtzufinden. „Da war ich schon ein bisschen nervös.“ Für eine „SOKO Köln“-Folge trat François mal als Schlagerfuzzi auf. Ganz ohne Abitur – eigentlich keine schlechte Voraussetzung für diese Rolle.

Teilen

Ein Kommentar zu “Nichts gegen Romantik”

  1. Ella sagt:

    Francois <3<3<3