Stadt-Land-Rock - die Bands im Porträt (XI): Reste von Gestern

von Franziska Nicolay (Jahrgang 1986)

Jahr : 2010, Woche : 29

Das Stadt-Land-Rock-Festival, veranstaltet von der SZ-Jugendseite und dem Sommer-Tollwood, geht heuer ins siebte Jahr. Fast 100 junge Bands haben sich für eine Auftrittschance auf dem Tollwood-Festival beworben – mittlerweile hat eine Jury zwölf Bands ausgewählt. Von heute an wird jede Woche auf unserer Internetseite www.sz-jugendseite.de eine Band vorgestellt. In Folge XI widmen wir uns heute der Band Rest von Gestern.

Mit Reste von Gestern wollen Florian, Thomas, Marcus, Hannes und Patrick nicht den Eindruck erwecken, sie seien total unkonventionelle Punks. Ihr Bandname soll einfach einprägsam sein, dadurch, dass die Leute sich erst mal über den Namen wundern müssen. Und Punk-Musik machen sie eh nicht. Seit ungefähr zweieinhalb Jahren spielen sie zusammen vielmehr rockigen Indie-Pop.

In dieser Zeit haben nicht nur sie sich selbst verändert, sondern vor allem ihre Musik. Sie selbst beschreiben die Wandlung als Lossagung vom Unterhaltungsrock. Sie würden jetzt nicht mehr diese typische Studentenmucke machen, Reste von Gestern sei rauer und melancholischer geworden. Bei ihrer Musik entscheiden sie jetzt nicht mehr aus dem Bauch heraus, sondern eher Kopf-technisch. Es geht ihnen schließlich um die Texte. Und in ihren Songs nehmen sie kein Blatt vor den Mund. Sie wissen, dass sie den ein oder anderen vor den Kopf stoßen. Das passiere eben bei gesellschaftskritischer Musik, die absolut kompromisslos sei. Dabei wollen sie aber nicht plump und noch weniger intellektuell überladen wirken. Sie versuchen, sich ganz direkt und ohne Umschweife auszudrücken. Deshalb haben sie sich auch für deutschsprachige Musik entschieden, in der Hoffnung, dass noch mehr Leute auf den Text achten.

Sie wollen aber auch nicht den Eindruck erwecken, sie seien depressive Typen. Nein traurig sind sie nicht, aber eine gewisse Grund-Melancholie gehört bei ihnen schon dazu. Doch ihre Lieder wollen sie von nun an bittersüß aufziehen. Das heißt zum Beispiel von unbeschwerten Momentaufnahmen berichten, denen aber eine Vergänglichkeit und Enttäuschung anhaftet. Bittersüß eben.

Am 25. Juli wollen sie bei Stadt, Land, Rock wieder mehr Leute zum Zuhören bewegen oder auch vor den Kopf stoßen. Dazu halten sie sogar die ein oder andere Überraschung parat.

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