
Sie raucht nicht, sie trinkt nicht . . .
von Laura Höss (Jahrgang 1989)
Jahr : 2010, Woche : 28
Wie bist du zu Straight Edge gekommen?
Ich war damals 14. Mein damaliger Freund und ich waren in der Skatepunk-Szene, gingen aber auch öfters auf Hardcore-Konzerte. Dort sah ich das erste Mal Leute mit einem X auf der Hand. Ich hörte von Straight Edge, davon, dass sie auf Alkohol und Zigaretten verzichten. Damals dachten wir auch noch: Hey, wie bescheuert, Saufen ist doch cool!
Und dann kam das Umdenken?
Irgendwann sagte mein Freund zu mir, ich solle mit dem Rauchen aufhören. Daraufhin meinte ich, er solle doch mit dem Trinken aufhören. Und um ihm zu beweisen, dass das auch geht, habe ich es dann gemacht.
Warst du die einzige in deinem Freundeskreis, die komplett auf Alkohol verzichtet?
Nein, meine Freunde waren zum Großteil alle schon Straight Edge oder sind es dann geworden. Für mich gehörten, wie für die meisten, Bier und Zigaretten zum Weggehen einfach dazu. Ich wäre nie von alleine auf die Idee gekommen, das für mich auszuprobieren. Ich brauchte das, dass es Leute gab, die dem einen Namen gegeben haben.
Vor ein paar Jahren war Straight Edge ziemlich angesagt . . .
Stimmt, da kam vor drei, vier Jahren so eine Welle und auf einmal waren alle Straight Edge. Dieses „Mode-Edge“ war auch ziemlich schnell wieder vorbei. „Wer mal Edge war, war nie Edge“, heißt es. Das finde ich auch. Es ist eben mehr als eine normale Jugendbewegung, bei der man sich hauptsächlich über den Style definiert.
Was ist bei Straight Edge anders?
Die Message ist wichtig. Es ist auch üblich, dass die Bands vor den Konzerten eine kleine Ansprache halten und auf Dinge, die ihrer Meinung nach in der Welt schief laufen, hinweisen. Walfang oder sonst irgendwas. Für uns Edger ist es wichtig, was zu schaffen, was zu machen – daher auch kein Alkohol.
Du bist zum Studium aus Zwickau nach München gezogen. Was unterscheidet die hiesige Szene von anderen?
In Zwickau ist die Szene größer, aber dennoch familiärer. Man geht auch auf Konzerte von Bands, die man nicht kennt. Hier trifft sich die Szene nur, wenn auch wirklich eine ganz große Band aus Amerika spielt. Auch der Style ist wichtiger.
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