Rumdackeln oder haltlos in Freimann: Sebastian Kuboth (24) leitet einen Getränkemarkt in Unterschleißheim, steht auf Punk und schreibt Hörspiele
von Lisi Wasmer (Jahrgang 1988)
Jahr : 2008, Woche : 39
Jung, engagiert, motiviert. Das ist Sebastian Kuboth (24). Zumindest steht das so auf seiner Website. Motiviert klingt er tatsächlich, wenn er von seiner Arbeit erzählt. Mit seiner Arbeit meint er nicht seinen Job als Filialleiter eines Getränkemarkts in Unterschleißheim. Sondern seine Arbeit als Hörspielautor. Gerade sind die Aufnahmen zu seinem dritten Hörstück „Kein Halt in Freimann“ abgeschlossen. Noch in diesem Jahr soll es veröffentlicht werden.
Wenn man Sebastian fragt, warum er sich neben einem Vollzeitjob noch die Mühe macht, Hörspiele zu schreiben und zu produzieren, muss er grinsen: „Ich hatte einfach schon immer ein sehr ausgeprägtes Mitteilungsbedürfnis.“ Wie zum Beweis fängt er an zu reden, lehnt sich in seinem Stuhl zurück, in Jeans, schwarzem T-Shirt, den Kopf kahl geschoren, und erzählt. Viel und schnell. „So mit 16 hatte ich meine wilde Phase, in der ich auch viel mit Punks zu tun hatte. Irgendwann ist das dann abgeflaut und ich habe mich ein bisschen besonnen. Und angefangen, mehr zu lesen“, sagt er mit einem treuherzigen Blick aus seinen großen braunen Augen. In dieser Zeit entdeckte er seinen Drang zum Schreiben und fing bald an, für Onlinemagazine zu arbeiten.

Er erzählt viel, er erzählt schnell: Sebastian sieht im Hörspielmachen eine Chance, sein ausgeprägtes Mitteilungsbedürfnis zu stillen.
In welche Richtung er seine schriftstellerische Arbeit lenken wollte, war ihm noch nicht klar, bis er bei einem Interview den Schauspieler und Synchronsprecher Gerhard Acktun kennenlernte. Mit Acktun nahm er sein erstes Hörspiel „Kleine Fische – Rumdackeln“ auf. Für dieses Projekt, das er als „Hommage an das alte München“ bezeichnet, waren zunächst gar keine professionellen Aufnahmen vorgesehen. „Eigentlich hatte ich die Sache einfach als Spaßprojekt geplant“, sagt er. Die Hauptrollen waren schon an zwei Freunde vergeben, die keinerlei Schauspielerfahrung hatten. „Erst dachte ich, das wäre ein Problem, aber im Endeffekt macht das die Sache auch wieder ganz schön, so richtig authentisch“, schwärmt Sebastian. Im gleichen Stil hat er auch eine Fortsetzung zu „Rumdackln“ aufgenommen: „Des neie Radl“. Beide Geschichten handeln von zwei jungen Männern, die gemeinsam im alten Münchner Milieu in einer Wohngemeinschaft leben und sich unter anderem mit ihrem leicht reizbaren Nachbarn auseinandersetzen müssen.
Mit diesen bisherigen Projekten hat sein neuestes Hörspiel „Kein Halt in Freimann“ nicht viel gemeinsam. Sebastian wollte seine Arbeit in der Musikszene mit seiner Autorentätigkeit verbinden und schrieb eine Geschichte, die von Fränk, einem von inneren Konflikten geplagten Münchner Punk, erzählt. „Es ist hart und offensiv. Punk in Form eines Hörspiels“, schreibt er auf seiner Website. Damit man das auch hören kann, hat er gemeinsam mit seinem Freund Jakob Braun, Frontmann der Münchner Punkband Destination: Failure! verschiedene Bands ähnlicher Musikrichtung ausgesucht, die jeweils einen Song zum Hörspiel beigesteuert haben, der im Hintergrund zu hören sein wird. Jakob Braun stellte außerdem sein Studio für die Aufnahmen zur Verfügung.
Warum aber musste es gerade Punk sein? „Man sollte sich eben mit etwas beschäftigen, was man selber auch hört, womit man sich verbunden fühlt. Außerdem hat Punk einfach Power, eine Attitüde. So was Emotionales“, erklärt Sebastian. Und warum gerade ein Hörspiel? „Wie gesagt, ich muss mich irgendwie mitteilen können. Und ein Film wäre einfach zu teuer momentan.“
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