Der schönste Sommer seines Lebens - Philip (18) hat die letzten großen Ferien mit Dreharbeiten für den Film "Französisch für Anfänger" verbracht / Kinostart Anfang Juni

von Carola Schneider (Jahrgang 1981)

Jahr : 2006, Woche : 20

Es sind diese Momente, in denen Philip realisiert, dass er etwas ganz Besonderes tut. Es sind diese Momente, in denen ihn hunderte Menschen neugierig bei der Arbeit beobachten. An den berühmtesten Plätzen von Paris. Genau da wird Philip bewusst, wie außergewöhnlich es ist, Schauspieler zu sein. „In solchen Momenten verliert die Arbeit am Film nie das Mystische“, sagt der 18-Jährige. Auch nicht nach fünf Wochen Dreharbeit für den Film „Französisch für Anfänger“, in dem der Schüler aus Vaterstetten die Rolle des Mirko spielt.

Um Himmels Willen, Franzosen. Philip aus Vaterstetten (ganz links auf dem Foto) hat seine letzten Sommerferien bei Dreharbeiten für den Film „Französisch für Anfänger“ verbracht, der Anfang Juni im Kino anläuft. Schauspieler will der 18-Jährige später dennoch nicht werden.
Fotos: Constantin Film

 

In seinem Film hat der junge Regisseur und Drehbuchautor Christian Ditter viele eigene Erfahrungen mit eingebaut. Dabei heraus gekommen ist ein Film von jungen Menschen über junge Menschen: Hendrik hat sich hilflos in die Halbfranzösin Valerie verliebt, in deren Nähe er kein Wort heraus bekommt. Zu allem Überdruss hasst Hendrik Frankreich und alles was damit zusammenhängt. Für Valerie nimmt er trotzdem am Frankreichaustausch seiner Schule teil. Bei wilden Partys, einer verrückten Gastfamilie und dem auf und ab der ersten großen Liebe erlebt Hendrik den aufregendsten und schönsten Sommer seines Lebens.

Jeden Tag am Set

Für Philip war es ebenfalls der aufregendste und schönste Sommer seines Lebens – fast ohne wilde Partys und ganz ohne verliebt zu sein. Trotzdem, erzählt er, habe er auch ein halbes Jahr später bei der Erinnerung daran noch ein Stechen in der Brust gespürt.

Um die Realität des Films möglichst authentisch zu vermitteln, haben für den Dreh vierzig Jugendliche aus Frankreich und Deutschland fünf Wochen ihrer Sommerferien in einem idyllischen, kleinen Kaff in Südfrankreich verbracht. Eigentlich ein ganz normales Jugendcamp – und Philip mittendrin. Von einer Casting-Agentur, die ihn schon als kleinen Jungen fotografiert hatte, als er „gern den Clown spielte“, wie er erzählt, wurde er zum Vorsprechen für „Französisch für Anfänger“ geschickt und bekam die Rolle. Als Mirko spielt er einen der frankophilen, „Chanson-trällernden“ Teilnehmer am Austausch. Eine Rolle, die zu Philip, der fremde Länder und Sprachen liebt und darüber hinaus auch noch Gitarre spielt und singt, ziemlich gut passt.

Philip hat die Zeit in Frankreich auch als „richtigen“ Austausch genutzt: „Ich habe jede Gelegenheit genutzt, französisch zu sprechen“, sagt er und erzählt begeistert von dem Gruppengefühl und der „sozialen Nähe“, die unter den Darstellern geherrscht hat: „Es hat nie einen richtigen Streit gegeben.“ Obwohl die Nähe auch manchmal eng werden konnte, denn Rückzugsmöglichkeiten hat es praktisch keine gegeben. „Der schlimmste Drang war, einfach mal alleine zu sein“, sagt er. Gar nicht so einfach in einem Haus mit hellhörigen Wänden. Und allein ist man praktisch nie: Abends zusammensitzen, langsam die Sprache des anderen lernen und das ein oder andere Vorurteil über Bord werfen, gemeinsam kickern und die Dorfdisko ausprobieren – wie es eben ist, wenn junge Menschen aus unterschiedlichen Ländern zusammentreffen. Und doch ist es völlig anders. Völlig anders, weil den ganzen Tag hart gearbeitet wird. Weil die Jugendlichen – statt zu feiern und am Strand zu liegen – jeden Tag am Set verbringen.

Vorbräunen im Sonnenstudio

Und das kann ganz schön anstrengend sein: Stundenlanges Warten, bis die eigene Rolle an der Reihe ist. Bei 35 Grad im Schatten eine Nachtszene drehen, und zwar im abgedunkelten Raum bei Scheinwerferlicht und Nebelmaschine, um die richtige Atmosphäre zu schaffen.

Und bei all dem ja nicht zu sehr ins Schwitzen kommen, um das Make-up nicht zu zerstören. Eine Dame von der Continuity achtet derweil peinlichst darauf, dass der Zusammenhang der einzelnen Szenen gegeben ist: Die Klamotten müssen die gleichen sein, zu braun darf während des Sommers auch niemand werden und schon gar keinen Sonnenbrand bekommen. „Wir haben vorher extra Karten fürs Sonnenstudio bekommen, um uns vorzubräunen“, erzählt Philip.
Die Sonne ist dann aber doch nicht so zum Problem geworden, im Gegenteil. Während ein fröhlicher Sommerfilm gedreht werden soll, erleben die Darsteller den verregnetsten Sommer seit 60 Jahren. Für das Filmteam kein größeres Problem, da einfach eine hellere Linse vor das Objektiv gesetzt wird. Für die Schauspieler aber manchmal ganz schön kalt und anstrengend. Da beneidet auch niemand die Hauptdarsteller Paula Schramm und Francois Göske. „Die hatten unsere größte Bewunderung, bei dem Stress, den sie überstehen müssen“, sagt Philip.

Bei aller Begeisterung für die Filmwelt kann sich Philip das Schauspielern beruflich trotzdem nicht vorstellen. Das sei teilweise einfach zu abgedreht, findet er. Rampenlicht darf es später nach dem Studium aber trotzdem gern geben. Dann aber lieber mit Musik, mit seiner Band „Puncher’s Plant“, für die Philip seit einem Jahr Lieder schreibt und singt. „Ich finde es faszinierend, wie viele Menschen man mit Talenten wie Schauspielern und Musik erreichen und bewegen kann“, erklärt er. Und vielleicht ein klein wenig die Welt verbessern – indem er einfach etwas Besonderes tut.

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Französisch für Anfänger

Nicht nur Jugendliche wird die Mischung aus Culture-Clash und Liebesgeschichte begeistern: „Französisch für Anfänger“ ist ein erfrischender Gute-Laune-Film, der an weiche Knie und Flugzeuge im Bauch erinnert. Mit den beiden Hauptdarstellern Francois Göske („Das fliegende Klassenzimmer) und Paula Schramm („Schloss Einstein“) konnte der junge Regisseur und Drehbuchautor Christian Ditter zwei erstklassige Nachwuchsschauspieler gewinnen, die das Lebensgefühl der ersten Liebe mit ungewolltem Witz aufrichtig vermitteln. In den Nebenrollen überzeugen Lennard Bertzbach („Die wilden Kerle 2“) und Christian Tramitz („Der Schuh des Manitu“). Die Neos-Film-Produktion ist von 8. Juni an in den deutschen Kinos zu sehen. Weitere Informationen unter www.franzoesisch.film.de.

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