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Ginger Redcliff (Pop, Musical, Indie-Klassik)

von Rita Argauer

Jahr: 2012, Woche: 33

Reif, so lässt sich die Musik von Ginger Redcliff beschreiben. Reif nämlich, wenn Hanna Plaß auf ihrem Longplayer Breitbandpophymnen an düstere Walzer reiht. Doch wenn die junge, charismatische Schauspielerin und Pianistin auf der Bühne steht, reißt sie das Publikum mit - ganz egal wie "reif" es ist.

„Miezekatze, Miezekatze“, die coolen Indie-Kids und die ausflüglerischen Familien – alle im gut besuchten Theatron – die ausflüglerischen Familien und die coolen Indie-Kids, alle  murmeln mit: dieses Wort, im Takt. Und die Musikerin auf der Bühne nutzt es als Beat, singt darüber, muss irgendwann darüber lachen, dass sie so viele Menschen dazu gebracht hat, über Minuten hinweg „Miezekatze“ zu murmeln. Die Pianistin und Sängerin Hanna Plaß (Foto: Janina Kaphahn) ist so charismatisch und mitreißend, dass sich ihrem Sog, den sie live entwickelt, nur wenige entziehen können. Trotzdem hätte man ihr den Frankenstein fast nicht zugetraut. Den Walzer schon eher – groß orchestriert und mit Wucht, wird da der Dreivierteltakt betont: “Das ist ein Lied zum Tanzen”, erklärt die 22-Jährige in dem Video über besagten Walzer-Song. Dass sie im Text dazu Frankenstein beschwört, ist einer der Brüche, die sie als “Ginger Redcliff” immer wieder provoziert.

 
Gerade hat die Münchnerin ihren ersten Longplayer veröffentlicht. Unbekannt ist sie aber trotzdem schon lange nicht mehr. Als Theaterschauspielerin hat sie an der Falckenberg-Schule der Münchner Kammerspiele studiert. Als Musikerin hat sie schon so gut wie alle relevanten Münchner Bühnen bespielt. Sehr mädchenhaft wirkt sie, wenn sie etwa im weißen Rüschenkleid durchs nächtliche München radelt und in elf kurzen Videos jeden Song ihres Albums einzeln vorstellt; oder wenn das Artwork komplett in weiß und pastelligem Rosa gehalten ist. Doch die Musik, die sie am Klavier zusammen mit einem Kontrabassisten und einem Computer umsetzt, ist reif. Auf „Note“ finden sich Breitbandpophymnen wie „Out of Me“ neben einem düsteren Walzer, der sowohl Klassik als auch die Musical-Filme der 50er Jahre zitiert. Dazu hat sie zwei Coverversionen eingestreut: Sie machte sich sowohl einen Song ihrer Labelkollegen von I heart sharks zu eigen wie auch ein Roy Orbison-Stück. „Reworks“ nennt sie diese Stücke. Eigensinnig wie sie ist, covert sie natürlich nicht, sondern präsentiert hochwertige Neubearbeitungen.

Stil: Pop, Musical, Indie-Klassik.
Besetzung: Hanna Plaß: Gesang, Klavier; Tom Bola: Kontrabass.
Aus: München.
Seit: 2009.
Internet: www.ginger-redcliff.com,

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