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Fünf Jahre Sound of Munich now: Die Jubiläumsshow

von Caroline von Eichhorn

Jahr: 2013, Woche: 45

Das Festival "Sound of Munich now" hat sich längst einen Namen gemacht - aber gleich einen so großen? Der Singer-Songwriter Jacob Brass postete nach einem Auftritt: "Wir sehen uns beim Sound of Munich now wieder, dem eigentlichen Münchner Oktoberfest, bloß im November." Und sogar mit garaniert besserer Musik als im Bierzelt. Aus jedem Jahr Sound of Munich now stehen zwei Künstler auf der Bühne.

 

Ebow

Sie ist Münchens provokativster und trashigster Hip-Hop-Nachwuchs – und noch dazu eine der wenigen Frauen, die sich in dem Genre bewegen. Ebow, Rapperin mit türkischen Wurzeln, äußert sich gern in Jugendsprache und sozialkritisch. In ihren Texten verwebt sie orientalischen Beat mit Migrationsklischees und Punk. Oben drauf erregt die toughe Dame mit gesäßlangen Haaren mit U-Bahn-Videos Aufsehen. Sie arbeitet am liebsten mit spontanen Einfällen – das Talent hat Technopate Peter Wacha erkannt und sie beim Label Dicso B unter Vertrag genommen.

Stray Colors

Stray Colors haben keinen Stil, sie haben ein Stil-Prisma und verschleppen ihre Hörer in die Folk- und Popecke, über den Balkan, und nach einem Schlenker durch die arabische Welt auch noch hinein in die Sixties. Der Klang-Mix des Quartetts entsteht ganz ohne Elektronik mit Cello, Percussion, Gitarre und Beatbox – noch dazu überraschen die vier Naturburschen mit englischem und bosnischen Zwei-Mann-Gesang. Damit schafften sie es zur Band des Jahres 2012 der Süddeutschen Zeitung. Foto: privat

The Moonband

Auch wenn sie hochwertigen Folk und Country liefern, spielen The Moonband am liebsten unprätentiöse, spontane Intermezzos in Cafés oder an Straßenecken. Die fünf Münchner leben in einer eigenen Welt: erst fliegen sie durchs Universum, dann ziehen sie sich in die Natur zurück – und das mit ganz viel Musik: in ihren Songs verweben sie Kontrabass, Banjo, Slide-Guitar, Mandoline mit Männer- und Frauenstimmen. In ihren Artworks verbinden sie Science Fiction und Nostalgie und nehmen sich selbst dabei nicht allzu ernst. Foto: Anna-Lena Zintel

Angela Aux

Er ist der Gründer des Stils New Weird Bavaria, ein Kreativkopf der Münchner Musikszene mit unbändigem Schaffensdrang. Ein wahrer Musikfreak, der im Studio nicht genug ausflippen kann, doch auf der Bühne oft ganz gefühlvoll wird. Der Experimentalist inspiriert sich in vielen Dekaden und Kulturräumen und schmeißt in den Musiktopf, was er finden kann, vom Afrofunk bis zu Nachrichtensignalen. Sogar mit Zahnbürsten erzeugt er harmonische Klänge, dazu kommen poetische, surreale Texte, oft über Träume. Foto: Susanne Steinmaßl

Tuó

Tuo machen Neo-Folk, bei dem wahre Flower-Power-Gefühle aufkommen. Bei der Musik der zwei Blumenkinder möchte man am liebsten barfuß auf einer Wiese laufen. Mit 16 Jahren standen sie schon im Rampenlicht, doch sind sie ehrlich und bodenständig geblieben: Tasmin Gutwald an der Gitarre und Oda Tiemann an den Percussions sind wirklich beste Freundinnen. Sie haben sich den Respekt von Gregor Amadeus Böhm eingefangen, der sie unter das Dach des Labels Flowerstreet Records aufnahm. Inzwischen haben die zwei schon im Berliner Berghain gespielt – obwohl sie gar nicht wirklich eine Musikerkarriere angestrebt haben. Ob daraus doch eine wird, wird sich zeigen. Foto: Felix Woelk

Talking Pets

Nein, die Talking Pets sind keine sprechenden Tiere, sondern vier smarte umtriebige Münchner Musiker, die seit 2009 gemeinsam spielen. Früher fanden sich Streicher und Glocken in ihrer Musik, sie strebten ihren Vorbildern Death Cab For Cutie nach und galten als Pop-Hoffnung Münchens, doch inzwischen klingen die Talking Petsviel härter: nach rauen Gitarren und deftigem Schlagzeug. Und, ja ein bisschen Einfluss der Talking Heads ist zu hören, aber eigentlich sind sie den Genres College Punk und Indie-Rock näher – damit haben sie es schon zur Vorband der Editors und der Sportfreunde Stiller gebracht. Foto: lifeonstage

 Joasihno

Joasihno kommt meist mit einem Tisch voller Utensilien auf die Bühne. Mit dabei sind Mikrofone, Gitarre, Drehorgel, Vibraphon und am wichtigsten: ein Sampler – sodass man Angst hat, Joasihno würde sich in seinem Kabelsalat verlieren. Denn Joasihno ist ein Loop-Talent, hypnotisch und rockig zugleich, er frickelt, bis aus dem Chaos ein Song entsteht – und schafft es, Folk mit Synthesizern und anderen Geräusche zu kombinieren. Dazu kommen durchdachte Texte und Visuals, die phantastische Bilder im Kopf kreieren. Foto: Andre Habermann

Jacob Brass

Jacob Brass ist inzwischen einer der großen Namen in der deutschen Singer-Songwriterszene. Er wandelt seine tiefsten Gefühle in Klänge. Für ihn war früh klar, wohin die Reise geht, nach dem Motto „So don’t be scared of what you do“ – damit hat er es weit gebracht: er stand mit Rea Garvey auf der Bühne, nahm Streicher-Arrangements in den Londoner Abbey Road Studios auf und spielt große Support-Shows, etwa für Katie Melua und Reamonn. Trotz Mainstream-Bühnen bleibt er „a stubborn child“. Stundenlang könnte man seinen Cover Versionen bekannter Tracks auf Youtube lauschen, oder seinen autobiographischen lyrischen Texten. Foto: privat

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