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Ein Mann, ein Board

von Franziska Nicolay

Jahr: 2010, Woche: 18

Skaten ist für Adrian (21) und Flo (19) kein Zeitvertreib, kein Hobby, kein Sport. Es ist ihr Leben. Jetzt haben die beiden einen Film über ihre Leidenschaft gedreht.

Wenn es regnet, ist es für Adrian (21) und Flo (19) aus dem Münchner Südosten ein schlechter Tag. Sie fahren Skateboard, seitdem sie zwölf sind. Regen bedeutet, sie können ihrer Leidenschaft nicht nachgehen. “Ich weiß wirklich nicht, was ich dann machen soll”, sagt Flo. Skaten ist für Adrian und Flo kein Zeitvertreib, kein Hobby, kein Sport. Es ist ihr Leben. Und ihre Einstellung zum Leben.


Um dieses Lebensgefühl einzufangen und auch anderen zeigen zu können, haben Adrian und seine Freunde einen richtigen Film daraus gemacht, der jetzt im Frühjahr uraufgeführt worden ist. Filmzeit: knapp ein Jahr. Auch sonst haben sie für ihren Film weder Kosten noch Mühen gescheut. Sie sind in europäische Metropolen gereist, sind dort Skaten gegangen. Adrian hat das Ganze gefilmt. In den letzten Arbeitsphasen saß er dann jeden Tag zehn, zwanzig Stunden am Computer - hat geschnitten und produziert. Aber das hat er gerne gemacht. Er hat sogar darauf verzichtet, sich ein Auto zu kaufen - ihr ganzes Erspartes investierten sie in das Film-Equipment. Und in Reisen. München sei zwar eine super schöne Stadt, aber für Skater einfach nicht optimal. “Aber vielleicht ist das auch der Katalysator, dass wir so viel in andere Städte fahren”, meint Adrian.



Fotos: Benjamin Werner


Seit etwa fünf Jahren sind Adrian und Flo in einer Skate-Crew, die sich Marvs nennt. Angefangen hat das Ganze mit Adrian und Tommy. Ihr Freundeskreis, alles Skater, hat sich damals meistens bei Marv getroffen. Der hatte eine Bar im Keller, die sie Marvs Bar nannten. Marv ist jetzt zwar nicht mehr dabei, aber der Name ist geblieben. Für die mittlerweile zehn Skater bedeutet es Lebensfreude, wenn man zusammen fährt. Alleine sind sie nach Möglichkeit nie unterwegs - das sei deprimierend, sagen sie. “Wir skaten ja nicht nur zusammen. Wir erleben viel gemeinsam, reisen, machen Party”, sagt Flo.


Es ist nicht nur ihre Lebenseinstellung, sondern auch ihre Kultur. Skaten sei verbunden mit ganz verschiedenen Kunstformen von der Musik über Klamotten-Design zu Skate-Videographie, zählt Adrian auf. Er selbst hat sich eben dem Filmen verschrieben. Früher hat er jedes neue Skate-Video verschlungen. Völlig fasziniert davon haben Adrian und Tommy dann begonnen, selbst zu filmen. Vor allem ihre Skate-Crew. Zunächst nur kleine Clips, die sie im Internet veröffentlicht haben. Das Feedback und die Kritik haben Adrian beim Filmen geholfen. Er hat sich alles selbst beigebracht - wie auch das Skaten. Vergangenen Sommer haben die Marvs dann ihren ersten richtigen Film “Just Marvellous” in Angriff genommen. In etwa sieben Monaten haben sie so ziemlich im Alleingang die Produktion des halbstündigen Films ermöglicht. Dahinter stecke viel Arbeit und natürlich auch Geld. “Aber das war es wert, auch wenn es manchmal problematische Situationen gab”, sagt Adrian. Zum Beispiel, wenn sie in Paris bei 35 Grad Hitze gefühlte fünfzigmal über Hindernisse springen mussten.


Mit dem Film wollen sie zeigen, wer sie sind, was sie machen und wie ein Leben als Skater ist. Und dass man mit Skateboard-Fahren Kunst schaffen kann. Sich selbst nehmen sie dabei nicht sonderlich ernst. In dem Film wollten sie keine extrem guten Skater zeigen, vielmehr ihren individuellen Stil. Tommy fahre zum Beispiel sehr kreativ, das heißt “oldschool” - was man heute eben nicht mehr oft sehe. Ganz wichtig war ihnen aber, dass der Film gut aussieht. Professionell. “Viele, denen wir von Just Marvellous erzählen, erwarten so ein YouTube-Ding. Wenn sie den Film dann sehen, sind die Reaktionen immer ziemlich gut.”


Beeindruckend ist auch die Premiere von ihrem Skate-Film gewesen. Es sind dreihundert Leute gekommen. Damit haben Adrian und Flo nicht gerechnet. Das positive Feedback bringt neue Anfragen für die Marvs mit sich. Sie wollen auch unbedingt einen zweiten Film machen, aber momentan hapert es an der Umsetzung. “Zur Zeit fängt uns alle das Leben ein”, erklärt Adrian. Gerade mit dem Zivildienst fertig, hat er sich an der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen beworben. Flo hat eine Lehre begonnen, Tommy ist auf Weltreise - mit dem Skateboard im Gepäck natürlich.


Weitere Informationen unter www.marvs.tv

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