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Ein Abend unter Freunden

von Marie Schoeß

Jahr: 2013, Woche: 16

Die Stray Colors spielen auf dem ersten WG-Konzert der Jugendseite. Kein gewöhnlicher Auftritt, sondern ein Konzert vor zwanzig Zuhörern in einer kleinen Küche - mit ungeahnten Planänderungen...

Vielleicht hätten sie ankündigen sollen, wann sie mit den Zugaben begonnen hatten. So mussten die Stray Colors (Foto: Salvan Joachim) immer wieder beraten, welchen Song sie noch einmal spielen würden. Dass Sänger Zlatko Pasalic kurz einwandte, dass schon alle Zugaben gespielt seien, half den vier Münchner Musikern nichts – auch der letzten Bitte aus dem Publikum musste Zlatko nachkommen und Hinweise von der Orangensaftflasche zur Cellobegleitung rappen. Erst dann war Schluss.

Anfangs hätten sie einen genauen Plan gehabt, sagt Sänger und Gitarrist Rüdiger Sinn kurz nach dem Auftritt: „Dann haben wir auch ein bisschen absichtlich den Faden verloren.“ Denn ein ganz gewöhnliches Konzert konnte und sollte es nicht werden, waren die Stray Colors am vergangenen Samstagabend doch in einer recht kleinen Küche zusammengekommen, um auf dem ersten WG-Konzert der Jungen-Leute-Seite der Süddeutschen Zeitung zu spielen. Zwanzig Zuhörer hatten sich in der Küche eingefunden: Freunde von Anna Kerner, der Gewinnerin des Konzerts, die in der hintersten Reihe der Küche Platz genommen hatte, Freunde der Band, Freunde von Linda Hoffmann, der Besitzerin der Küche. Entstanden war all das eher zufällig, erzählt Anna: Sie hatte beim Wettbewerb der Jugendseite abgestimmt, welche Band der Woche zur Band des Jahres werden sollte. Und hatte – nicht nur aus freundschaftlicher Verbundenheit – für die Stray Colors gestimmt. „Ich war schon oft auf ihren Konzerten und mag die Musik einfach sehr gerne“, sagt sie. Dass sie jedoch ein Konzert gewinnen könnte, daran hatte sie zunächst nicht gedacht. Und als sie dann die Zusage bekam, war die Freude etwas getrübt: Gerade war der Freund bei ihr eingezogen, die eigene Wohnung voll mit Umzugskarton und die Räume ohnehin zu klein: ein Konzert unvorstellbar. „Dann habe ich Linda gefragt, ob ich es bei ihr veranstalten kann. Schließlich hat sie auch Konzerterfahrung.“ Mit Konzerterfahrung meint sie, dass in derselben Küche schon einmal ein kleines Konzert gegeben wurde. Kurz vor Weihnachten waren es The Catberrys, die hier ihre Rock’n’Roll-Songs spielten.

Dieses Mal nun sollte eine Mischung aus Pop-Nummern und Balkan-Sound neben Backherd und Kühlschrank zu hören sein: Altbekannte Songs von der Band des Jahres waren ebenso dabei wie neue Lieder, die zum ersten Mal vorgestellt wurden. Und wieder einmal wurde sie ihrem Ruf gerecht, die Münchner Nachfolge von Simon and Garfunkel anzutreten – eröffneten sie den Abend doch mit einer Coverversion von deren Titel „The Boxer“.

Zur Begrüßung versuchte Sänger und Gitarrist Zlatko, ein wenig die Stimmung größerer Hallen wiederzugeben, begrüßte das Publikum und scherzte: „Ihr seid das beste Publikum, das wir je hatten“, um beim Blick auf das dicht besetzte Zimmer dann schmunzeln zu müssen und anzufügen: „Hallo München“.

„Es ist auch einmal schön, vor so einem kleinen Publikum zu stehen und in so einer gemütlichen Runde auch andere Titel zu spielen“, sagt Rüdiger nach dem Auftritt. So wurde kurz vor dem Ende, bei einer der vielen Zugaben, ein Freund aus dem Publikum gebeten, den Kapodaster zu ersetzen und mit einem Finger zwischen zwei Bundstäben das Gitarrenspiel zu erleichtern. Ein Abend unter Freunden ging damit zu Ende.

Konzerte dieser Art sollen nun häufiger in verschiedenen Münchner Wohngemeinschaften stattfinden – das nächste Mal ist schon geplant mit dem Singer-Songwriter Duo Livy Pear.

Mehr dazu unter: http://www.facebook.com/questions/10151525658114259/

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