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Döner-Rap auf hochdeutsch

von Laura Höss

Jahr: 2011, Woche: 32

Ebow, eine junge Sängerin mit türkischer Abstammung, kämpft in ihren Liedern gegen allerhand Vorurteile an und entlarvt in ihren ironischen Texten die gängigen Klischees.

Ebows Welt ist ein Dönerspieß. Sie ist nicht rund, nein, sie ist keilförmig, aber drehen tut sie sich ebenso. So heißt es zumindest in den Texten der türkisch-deutschen Rapperin, die seit mehreren Jahren Musik macht und auf diese Weise mit intelligent-ironischen Texten die gängigen Vorurteile der Deutschen über Ausländer entlarvt.


So zum Beispiel in ihren Song „Quebab“. Darin besingt sie den Kosmos am Hauptbahnhof, den wohl exotischsten Ort, den sich der Münchner in seiner Stadt vorstellen kann, der mit seinen Dönerbuden, Import-Export-Geschäften und afghanischen Supermärkten der klischeehaften Vorstellung einer friedlichen Multi-Kulti-Gesellschaft entspricht. „Daddy fährt Mercedes und Mama ist Putzfrau“, heißt es in dem Song – und dass sie nie mit ihren Freunden ausgehen darf, während die Hälfte ihrer Brüder im Knast sitzt. Das Manifest eines türkischen Mädchens, das sich dank der Musik von ihrer patriarchalischen Kultur emanzipieren konnte. Geglückte Integration eben, denkt sich der Zuhörer und merkt erst im Nachhinein, dass die Überzeichnung der gängigen Klischees ihn seiner eigenen Vorurteile überführt hat.


Denn wenn man Ebow, eigentlich Ebru Düzgün, sieht, versteht man, dass die Texte nur eine Überspitzung darstellen können: Vor einem steht eine junge, selbstbewusste Frau, die langen braunen Haare auf einer Seite abrasiert, der schwarze Blazer lässig hochgekrempelt. Sie weiß, wovon sie spricht: Als Kind türkischer Gastarbeiter wird sie selbst immer wieder mit den selben Vorurteilen konfrontiert: Dass sie ja anders sei als die anderen Türken, sie studiere schließlich und sei auch sonst sehr emanzipiert.


Deshalb, weil ihr die ganze Debatte um geglückte oder missglückte Integration eigentlich gehörig auf die Nerven geht, spielt Ebow in ihren Songs gerne mit diesen Begriffen. Sie nimmt die Vorurteile, die die meisten Menschen gegenüber Ausländern haben, aufs Korn, versucht sie lächerlich zu machen.


„Die Klischees in ,Quebab‘ betreffen so wenige“, erzählt sie. „Aber es ist leichter, Menschen in Schubladen zu stecken, als sich mit ihnen auseinander zu setzen.“ Ihr ist es wichtig, dass die Leute aus diesem Denken herauskommen. Die Menschen sind einfach zu verschieden, als dass das Prädikat „Türke“ oder „Deutscher“ allein zutreffend wäre, sagt Ebow.


Genauso wenig passt ihre Musik in eine Schublade. Denn keinesfalls möchte sie auf das Ausländerthema reduziert werden. Und so finden sich unter ihren Liedern auch solche, die von lästigen Männergeschichten oder anderen Alltagsthemen handeln, aber auch Stücke, in denen sie die Münchner Stereotypen auf die Schippe nimmt. So macht sie sich in dem gleichnamigen Track über die Spezies des Glockenbach-Stenzes lustig, der sich – topgestylt, dabei aber immer ein bisschen zu angestrengt – am Gärtnerplatz präsentiert und glaubt, die Mädchen um den Verstand zu bringen.


Diese Vielfalt an Songthemen ergibt eine Spannung, die Ebow als Person sehr gut beschreibt. Denn trotz ihrer türkischen Abstammung sieht sie sich als Münchnerin: Hier ist sie aufgewachsen, hier ist sie sozialisiert, Schickeria und Bussi-Bussi sind ihr nicht fremd.


Sie vereint beide Identitäten in sich und spielt damit. Aber gleichzeitig findet sie, dass es einem als Einwandererkind schwergemacht wird, dies zu akzeptieren: dass man weder in die eine, noch in die andere Schublade passen will. Viele hätten Angst, etwas zu verlieren, wenn sie sich dazu bekennen, sowohl Deutscher als auch Türke zu sein. Es sei eben schwerer, in keine Schablone zu passen, findet Ebow. Aber eben auch sehr bereichernd, wie man an ihrer Musik merkt.


Orientalische Klänge und elektronische Beats, unterlegt mit deutschen Texten – so hört es sich an, wenn sich zwei Kulturen auf interessante Weise vermischen und ergänzen: Das ist der Stil von Ebow. Unverkennbar hört man in ihren Stücken den Einfluss der tamilischen Rapperin M.I.A, auch wenn es Künstler wie 2raumwohnung oder Mia „und deren Umgang mit Sprache“ waren, die mit ihren Texten den größten Einfluss auf ihre Musik hatten. „Deutsch ist ein Teil meiner Identität und es ist für mich näher, auf deutsch zu rappen“, sagt Ebow.


Und mit diesem ganz speziellen Stil konnte sie mittlerweile schon Erfolge verzeichnen. Im vergangenen Jahr produzierte sie Tracks für die Dokumentation „Töchter des Aufbruchs“ von Uli Bez und veröffentlichte eine kleine EP. Für nächstes Jahr steht nun die Arbeit an ihrem Debütalbum an.


Wie ihre Eltern reagiert haben, als sie sich einen Undercut machen ließ und beschloss, sich für ein Jahr eine Auszeit von ihrem Architekturstudium zu nehmen, um das Album zu produzieren? „Meine Eltern haben mich immer in dem unterstützt, was ich tue, ich wurde in der Hinsicht sehr liberal erzogen.“

Foto: Kamer Aktas

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Ein Kommentar zu “Döner-Rap auf hochdeutsch”

  1. Randy Ravage sagt:

    Wenn Frau Höss nicht durchschaut, was hinter diesem “Klischee” an sich für Beweggründe stecken, dann tut sie mir richtig leid.
    Wie kann ich einem solchen “musikalischen” Schmarren auch nur ein Jota an Ernsthaftigkeit abgewinnen.
    Das ist keine Kunst, das ist eine stillose Frechheit, die jeder Würdigung entbehren müßte. Aber das ist wahrscheinlich die Generation, die sich kritiklos selber featuret. Hauptsache, sie ist hip genug.

    Fassungslos
    R.R.