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Digitaler Selbstmord

von Anna Sophia Hofmeister

Jahr: 2012, Woche: 33

Lucas und Hanna kennen das Internet. So gut, dass sie beschlossen haben, dort nicht mehr all ihre Daten preiszugeben. Stattdessen beantworten sie jetzt in ihrem Blog netzreflexion.com allerlei Fragen über das Netz, was es aus uns macht und was es von uns will.

Vor ziemlich genau einem Jahr ist Lucas aus Facebook ausgetreten. „Ich habe so eine ,Ich bringe mich digital um’-Mail an alle geschrieben, mit denen ich tatsächlich noch aktiven Kontakt hatte. Von ungefähr 300 Freunden waren das letztendlich gerade mal 40“, sagt der 25-Jährige. Seine Mitstudentin Hanna, 24, machte wenig später ähnliche Erfahrungen. Die beiden sprachen darüber und beschlossen, ihre kritischen Überlegungen auch anderen zur Verfügung zu stellen. So entstand ihr Blog netzreflexion.com.

 
Lucas und Hanna (Foto: Netzreflexion) sind gut vernetzt. Sie besitzen Smartphones und Laptops. Mit dem Internet sind sie aufgewachsen, im Online-Bereich werden sie zukünftig arbeiten. Sie haben unter anderem Kommunikationswissenschaften studiert und nicht zuletzt aufgrund ihres Studiums viele Mechanismen des Internets durchschaut. Das schafft trotz der Nähe eine gewisse Distanz. Und die Fragen hören nicht auf: Welchen Einfluss hat die digitale Vernetzung auf uns? Was bedeutet Öffentlichkeit im Web? Welchen Wert haben persönliche Daten? Lucas und Hanna posten regelmäßig Antworten – in Form von Erfahrungsberichten, Kommentaren, Interviews und Videos. Zu Netzwerken, digitalen Endgeräten und Web-Unternehmen.„Der Blog soll dazu ermuntern, mehr über das eigene Internetverhalten nachzudenken. Nicht in dem Sinne, dass man es gleich einschränkt, sondern dass man einfach bewusster damit umgeht.“ Dazu gehört für die beiden auch, ihre wahre Identität für sich zu behalten. Ihre Nachnamen wollen sie nicht veröffentlicht sehen, nicht in der Zeitung, nicht auf dem Blog. Wie alles habe auch das World Wide Web eben seine Vor- und Nachteile, sagt Lucas, man dürfe nur keines von beidem vergessen. Auf Facebook ist Lucas inzwischen auch wieder finden. Er nutzt die Plattform nun professionell: “Es ist schlichtweg nicht mehr wegzudenken, um auf einfache Weise up-to-date zu bleiben.” Um neuen Stoff zu entdecken – zum Nachdenken.

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2 Kommentare zu “Digitaler Selbstmord”

  1. Carola sagt:

    Schade, dass ihr nicht direkt verlinkt, wär doch viel einfacher.