LAURASIRCH

Botschafterin mit Grünzeug

von Susanne Krause

Jahr: 2013, Woche: 47

Rote Bete? Schon viele Einheimische wissen mit dieser Gemüsesorte nichts anzufangen. Menschen, die als Flüchtlinge nach Deutschland kommen, ist ein Großteil unseres Grünzeugs fremd. Laura Sirch, 24, erklärt Flüchtlingen Gemüsesorten.

München – Rote Bete? Schon viele Einheimische wissen mit dieser Gemüsesorte nichts anzufangen. Menschen, die als Flüchtlinge nach Deutschland kommen, ist ein Großteil unseres Grünzeugs fremd. Laura Sirch, 24, versucht, in ihrer Bachelorarbeit Abhilfe zu schaffen: Die Studentin des Kommunikationsdesigns entwirft eine Anleitung für Gemüsesorten, die ganz ohne Worte auskommt.

SZ: Du designst als Bachelorarbeit Gebrauchsanweisungen für Gemüse. Wozu ist so etwas gut?
Laura Sirch: Auf die Idee bin ich über zwei Freundinnen gekommen, die einmal die Woche von einem Biobauern Gemüse, das er nicht verkaufen kann, abholen und es zu einem Asylbewerberheim bringen. Dabei traten jedoch immer wieder Probleme auf.

Was denn für Probleme?
Wenn sie zum Beispiel fünf Kisten mit Roter Bete abliefern, stellt sich für viele Bewohner die Frage: Was ist das? Muss man es schälen, muss man es kochen? Weil ich in meiner Bachelorarbeit auf jeden Fall etwas tun wollte, das einen Nutzen über die Arbeit hinaus hat, kam mir die Idee, eine Art Warenkunde zu entwickeln, die der jeweiligen Lieferung beigelegt wird: Wie man ein Gemüse vorbereitet, womit man es kombiniert, welche Gerichte man daraus kochen kann – und mit welcher den Flüchtlingen bekannten Gemüsesorte man es vielleicht vergleichen kann.

Wie genau wirst du das in deinen Infoblättern erklären? Viele Flüchtlinge sprechen schließlich noch nicht gut deutsch.
Das wird die größte Herausforderung: Ich muss eine Bildsprache entwickeln, die völlig ohne Text funktioniert. In den Gemeinschaftsunterkünften leben Menschen aus den verschiedensten Kulturkreisen zusammen, die ganz unterschiedliche Muttersprachen und Bildungsstufen haben. Die Bilder sollen aber für alle verständlich sein. Außerdem müssen sie schwarz-weiß sein, damit man die Infoblätter später günstig drucken kann.

Aber wie unterscheidet man ohne Farben einen Rotkohl von einem Weißkohl?
Klar, heute ist das an sich einfach: Wenn es rot ist, ist es eine rote Rübe. Deswegen habe ich mir alte botanische Kupferstiche angeschaut. Früher, als man noch nicht in Farbe drucken konnte, mussten die Zeichnungen einfach viel expliziter sein – dann erkennt man auch den Unterschied. Wie gut mein Design funktioniert, werde ich allerdings erst im Feldversuch herausfinden.

Feldversuch?
Ich möchte mit verschiedenen Hilfsorganisationen – etwa der Inneren Mission – zusammenarbeiten, um dann direkt in Gemeinschaftsunterkünften ausprobieren zu können, ob meine Informationsblätter auch wirklich verstanden werden. Gutes Design ist eben nur, was seinen Zweck erfüllt.

Hast du bis jetzt bei deinen Recherchen ein Gemüse gefunden, das du selbst noch nicht kanntest?
Nein, das nicht. Aber durch meinen Besuch beim Biobauern habe ich mich zum ersten Mal richtig damit beschäftigt, welche Gemüsesorten tatsächlich in Deutschland angebaut werden und wann sie reif sind. In unserer Gesellschaft ist man ja gewohnt, dass es im Supermarkt das ganze Jahr über das Gleiche gibt – abgesehen vielleicht von Spargel und Erdbeeren.

Foto: Verena Vötter

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