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Allein unter Pärchen

von Anita Edenhofner

Jahr: 2010, Woche: 11

Erwachsen werden die meisten - irgendwann. Nur das "Wie" unterscheidet sich. Eines haben Situationen, nach denen man sich reifer fühlt, jedoch gemeinsam: Man macht Erfahrungen zum ersten oder letzten Mal. Heute: zum ersten Mal Pärchen komisch finden.

Eigentlich hatte ich nie ein Problem damit, Single zu sein. Ich komme gut alleine klar. Viel besser, als wenn da immer noch einer ist, auf den man achten muss. Auf den man Rücksicht nehmen muss. Um den man sich kümmern muss. Der Aufmerksamkeit braucht. Ich bin alleine schon anstrengend genug. Deshalb will ich mich auch niemandem zumuten!


Warum fühle ich mich dann gerade jetzt wie eine Aussätzige? Eine Garagenparty ist doch dazu da, sich zu amüsieren. Es stimmt auch alles. Die Bierbänke sind mit Polstern bedeckt, damit der Hintern nicht schmerzt. Heizstrahler kämpfen gegen die Kälte. Pizza und Nudelsalat sind lecker. Getränke sind reichlich da. Musik dröhnt laut aus den Boxen. Meine Freunde sitzen um mich rum.


Genau die sind das Problem. Alle sind sie im Doppelpack aufgetaucht, ausnahmslos. Halten Händchen, lächeln sich über den Tisch hinweg an, flüstern sich Dinge ins Ohr, die ich gar nicht so genau wissen möchte. Wir reden und lachen alle miteinander – und doch sind es immer Zweierteams plus ich – der Joker, sozusagen.


Meine Freundinnen sind die gleichen, mit denen ich auf Partys tanzte, von Jungs schwärmte und über Mädchen lästerte, bei denen ich mich ausheulte und die ich tröstete. Natürlich hatte immer wieder eine von uns einen Freund. Selbst ich habe mich an Beziehungen versucht – alle scheiterten nach wenigen Monaten. Irgendwas scheint jetzt anders zu sein. Die Jungs gehen nicht mehr, werden nicht mal ausgewechselt. Diesen Schritt habe ich verpasst. Der Nudelsalat schmeckt trotzdem. Ohne, dass mir jemand aufmunternd zulächelt oder bestätigend meine Hand drückt.

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