Michael Tanner 1

Abwechslungsreicher Abschluss des Stadt-Land-Rock-Festivals 2013

von Leonie Teisner

Jahr: 2013, Woche: 28

Der letzte Abend des Stadt-Land-Rock-Festivals (Fotos: Käthe deKoe) ist abwechslungsreich. Zwischen ruhigen und emotionalen Tönen findet sich auch eine rockige Popband, die gegen die „Ungerechtigkeit der Welt ansingt.“

Ruhige emotionale Töne geben sich die Hand mit poppigen Melodien, die dem Zuhörer sofort ins Ohr gehen. Kaum wird die Musik für einen kurzen Moment bedächtiger, geht es schon wieder rockig weiter. Die Band Jadeapes sorgt mit ihrem stimmigen Gesamtsound für einen gelungenen Abschluss des Stadt-Land-Rock-Festivals 2013. Doch auch die  Band Michael Tanner, die den heutigen Abend mit gefühlvollen Klängen eröffnet und die darauffolgenden ruhigen kraftvollen Balladen von Gabriel Miller-Phillips können sich mehr als nur hören lassen..

„Dies ist die 124. Band auf dem Stadt-Land-Rock-Festival“, wird der erste Auftritt angekündigt. Die Band tritt zwar unter dem Namen des Singer-/Songwriters Michael Tanner auf, doch auch Yvonne Ebner schreibt eigene Songs, die an diesem Abend gespielt werden. Auf der Bühne erscheinen sieben lässig  gekleidete Musiker. Immer wieder wechseln sie während ihres Auftritts die Plätze – und die Instrumente. Michael Tanner tritt mit E-Gitarre auf, Yvonne spielt Piano und Gitarre. Einige Leute sitzen am Boden und lauschen der sanften Musik. Direkt vor der Bühne tanzt ein junger Mann. „Nehmt euch doch ein Beispiel an dem jungen Herrn hier vorne und tanzt mit!“, ruft Michael. Doch die Zuhörer lassen sich lieber von den gefühlvollen Liedern der Band berieseln. Beim zweiten Song übernimmt die Geigerin Magdalena das Keyboard, während Yvonne mit ihrer hellen klaren Stimme mit einstimmt. Der Gesang von Michael und Yvonne harmonisiert zusammen und verleiht ihrer Musik eine melancholische Note. Der Klang der Trompete und des Saxophons sorgen sofort für ein Gänsehautfeeling. „Die Band wird immer besser! Besonders die Bläser, die heute zum ersten Mal dabei sind, haben mir gefallen. Man musste genau hinhören, ob jetzt die Trompete spielt oder jemand singt“, sagt eine begeisterte Zuhörerin. Wenn Yvonne nicht singt, wippt sie sachte im Takt mit.  Bei ihrem Lied „Bath“ hält sich Michael gesanglich im Hintergrund, so kommt Yvonnes besondere Stimme noch mehr zur Geltung. Der Schlagzeuger Anton schlägt nur leicht das Becken an, das Cello – gespielt von Magdalena –  gibt dem Ganzen etwas Verträumtes. Gefühlvoll und nachdenklich klingt ihre Musik. Unaufdringlich füllt sie den ganzen Raum. Michael wirkt sehr vertieft in seine Musik, die Geigerin dagegen lacht den tanzenden Mann vor sich an. Beim letzten Lied beginnen alle Zuschauer mitzuklatschen.

Mit Gabriel Miller-Phillips wird der Abend ruhiger – denkt man. Doch der Singer-/Songwriter, der seiner Freundin zuliebe aus Brooklyn nach München gezogen ist, tritt heute mit einem Bassisten und einem Schlagzeuger auf. „Es ist sehr schön hier zu sein“, sagt er mit seinem Akzent, dem man die Herkunft des Musikers anmerkt. Von Anfang an sind die Zuschauer begeistert, Gabriel ist schon bekannt als Musiker. Seine Stimme ist sehr gefühlvoll und eher ruhig. Doch die anderen Musiker verleihen seiner Musik eine gewisse Dynamik. Der Schlagzeuger singt im Background mit, im Mittelpunkt steht jedoch Gabriels Stimme, die seine emotionalen Lieder untermalt. Zwischen zwei Songs weist Gabriel Miller-Phillips auf seine Eltern hin, die diesen Abend auch hier sind. Mit ernstem Blick singt er von Frustration und Isolation, manchmal wirkt er fast schon traurig. Doch wenn er ins Publikum blickt, lächelt er wieder. Ab und zu geht seine Stimme in die Höhen – und begeistert damit die Zuhörer. Ein junger Mann schwärmt: „Besonders die hohen Töne fand ich umwerfend.“ Die Leute vor der Bühne klatschen und wippen im Takt der Musik mit. Hinter dem stehenden Publikum animiert eine „Blumenlady“ auf Stelzen die Zuhörer mitzutanzen. Besonders das Lied, das er als  Zugabe spielt, geht unter die Haut. Ohne Band steht er auf der Bühne – seine melancholische Stimme wird lediglich von seiner Gitarre begleitet.

Zum Ende des Abends wird es noch einmal rockiger. Jadeapes wird angekündigt als die Band, die „gegen die Ungerechtigkeit der Welt ansingt.“ Leadsänger Martin tritt in weißem Hemd mit Hosenträgern auf, die drei anderen Musiker der Band tragen kurze Hosen. Außer Martin singen auch noch der E-Gitarrist Chris und der Bassist Alex. Die Band hat sichtlich Spaß auf der Bühne – locker bewegen sie sich beim Spielen, kommen aufeinander zu und lachen sich gegenseitig an. Es ist ein mitreißender Sound. Chris und Martin wechseln sich oft ab beim Singen, die Stimmen passen gut zueinander. Bevor sie das Lied „Atomik“ anstimmen, wechselt Martin seine E-Gitarre gegen eine Akustikgitarre. Es ist ein Song über das Atomic-Café in München. Die Spur der ruhigeren Akustikgitarre harmonisiert gut mit der E-Gitarre. Die Musik wirkt kräftig und füllt bald schon den ganzen Raum aus. Besonders das Solo des E-Gitarristen kommt in der Konstellation noch mehr heraus – Chris verausgabt sich. Vor dem Zelt fangen zwei Jugendliche wild an zu tanzen, begleitet von der rockigen Musik der Jadeapes. In einem ihrer Lieder spielt Martin Saxophon, die Musik bekommt dadurch einen noch satteren Sound. Er wechselt sich ab mit Singen und Saxophon, es ist ein Wunder, dass ihm dabei nicht die Puste ausgeht. Am Ende hebt die Band den Schlagzeuger Friedemann noch einmal besonders hervor, den sie erst vor drei Wochen kennengelernt haben. Auch wenn er nach dem Auftritt meint, er habe sich „kurzzeitig total verspielt“ – die Zuschauer haben davon nichts gemerkt. Jadeapes verabschiedet sich von der Bühne mit einem ihrer Lieblingssongs „Hopeless Pray“. Martin und Chris schauen sich tief in die Augen und fangen dann gemeinsam an zu spielen. Ruhig beginnt das Lied, der Bass verleiht dem Gesamtsound zu Beginn etwas Schwermütiges. Doch mit dem E-Gitarren-Solo wird es wilder. Alle Energie stecken die Musiker von Jadeapes in dieses letzte Lied und erfassen damit jeden Zuschauer.

Die eingängigen Melodien des Abends noch im Ohr, schlendern die Zuhörer aus dem Zelt in das bunte Treiben des Tollwoods hinaus. So schnell vergehen also vier musikalisch großartige Abende. „Bis zum nächsten Mal!“, rufen zwei Jugendliche übermütig. Ein gelungener Abschluss des Stadt-Land-Rock-Festivals 2013.

Stadt-Land-Rock 2013 - der vierte Abend

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Der vierte Abend des Stadt-Land-Rock Festivals 2013 auf dem Tollwood mit Michael Tanner, Gabriel Miller-Phillips und Jadeapes. Fotos: Käthe deKoe

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