aaber

„Aaber“ hallo

von Franziska Nicolay

Jahr: 2012, Woche: 20

Maximilian Heitsch, 23, organisiert zusammen mit seiner Schwester Jelena zum zweiten Mal den „Aaber Award“, der am 18. Mai an drei junge Künstler verliehen werden soll. Mit ihrem Projekt „Aaber“ versuchen sie, noch nicht etablierten Kunstschaffenden eine Plattform zu bieten – sie wollen aber auch Diskussionen über Kunst anregen.

Der erste „Aaber Award“ liegt jetzt ein Jahr zurück. Was ist in der vergangenen Zeit alles passiert?
Jelena Heitsch: Seit neun Monaten läuft jetzt der Aaber Artspace in der Kaiserstraße 14, unser Kunstraum für junge Künstler. Wir haben seitdem versucht, den Austausch zwischen den Künstlern und auch ihrem Publikum zu fördern. Dabei sind ganz viele Gespräche zwischen den unterschiedlichen Künstlern, den Besuchern entstanden. Das ist der eigentliche Gedanke vom „Aaber“.
Maximilian Heitsch: Wir versuchen immer wieder die Besucher, aber auch die Künstler zur Auseinandersetzung mit den ausgestellten Werken zu bringen.

Wie meinst du das?
Maximilian Heitsch: Ich wünsche mir eine emotionale Aufschürfung.

Bitte was?
Maximilian Heitsch: Bei uns hat einmal Florian Rautenberg ausgestellt. Er hat seine Installation penibel vorbereitet, um sie dann letztendlich zu zerstören. Das hat viele verstört und eine heftige Diskussion ausgelöst. Das ist genau, was wir wollen: intellektuell an die Grenze führen, die Leute zum Nachdenken bringen… Das meine ich damit.

Man liest auf eurer Homepage aber immer wieder von der Raumnot junger Künstler in München, ist das kein so aktueller Anlass mehr?
Maximilian Heitsch: Doch das ist die Uressenz vom „Aaber“, das Allerwichtigste. Diesmal können wir in der „Alten Polizeiwache“ den Künstlern nicht nur eine Fläche, sondern jedem einen ganzen Raum anbieten. So kann der Künstler zusätzlich zu seinem Werk auch den ganzen Schaffensprozess ausstellen.
Jelena Heitsch: Da hatten wir echt Glück. Max ist wie ein Scout los, um alte Abriss-Gebäude oder Fabrikhallen zu finden. Und dann sind wir auf die „Alte Polizeiwache“ am Stiglmaierplatz gekommen.

Was hat sich denn sonst noch geändert im Vergleich zum Vorjahr, gab es viel Resonanz?
Maximilian Heitsch: Unglaublich viel, dieses Jahr stellen 70 junge Künstler aus, wir hatten insgesamt 224 Bewerbungen. Das Thema ist auch dieses Mal wieder komplett frei, das ist uns wichtig. Wir wollen niemanden beschränken, niemanden ausgrenzen. Es kommen Künstler aus der Mode, aus der Musik, aus der Performance. Die einzigen Voraussetzungen waren diesmal, dass Bewerber nicht älter als 40 sein durften und einen Wohnsitz in Bayern haben mussten.

Fällt es dann nicht unglaublich schwer, auszuwählen oder auch abzulehnen, da die Vergleichsmöglichkeit der Arbeiten fehlt?
Maximilian Heitsch: Natürlich fiel sie schwer. Wir haben Leute dabei, die haben schon Preise gewonnen, andere, für die es die erste Ausstellung sein wird. Grundsätzlich wollen wir nicht nur nach der Qualität gehen. Es kamen Bewerbungen von bereits zu sehr etablierten Künstlern.
Jelena Heitsch: Hingegen kann eine 18-Jährige durchaus schon mit Texten beeindrucken, die für ihr Alter super sind…

Die Besucher bestimmen die drei Gewinner. Habt ihr trotzdem einen eigenen Favoriten für euch ausgemacht?
Maximilian Heitsch: Darauf habe ich vergangenes Jahr auch schon nicht geantwortet. Wir wollen uns da komplett raushalten: Wir sind nicht die Jury, sondern das Publikum.

Gibt es denn eine bestimmte Sache, die ihr euch von dem diesjährigen Award erhofft?
Maximilian Heitsch: Ja, auf jeden Fall. Dieses Mal möchte ich gerne, dass sich daraus ein Schmelztiegel der jungen Künstler in München ergibt. Ich möchte, dass ein Gefühl der Zusammengehörigkeit für die kreativen Köpfe geschaffen wird, dass begonnen wird, im Kollektiv zu denken. Man meint immer, das gebe nur in Berlin oder Hamburg – aber das geht hier schon auch…

 Foto: Diego Steinhöfel

„Aaber Award“, 17. und 18. Mai in der „Alten Polizeiwache“ am Stiglmaierplatz, geöffnet von 13 bis 4 Uhr. Weitere Informationen unter www.aaber.de.

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Ein Kommentar zu “„Aaber“ hallo”

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